Leserbrief

Spagerer wurde nicht „missbraucht“

Zum Artikel „AfD-Versammlung mit 80 Teilnehmern“ vom 5. September:

Voller Erstaunen musste ich die Äußerungen von Robert Schmidt zur Kenntnis nehmen, dass der Landtagsabgeordnete Stefan Fulst-Blei in einer Gegenveranstaltung zum Treffen der sogenannten „Alternative für Deutschland“ im Rahmen der Zeitzeugengespräche Karla Spagerer für SPD-Propaganda „missbraucht“ hat. Beleidigt, wie sich die sogenannte „Alternative“ immer fühlt, weiß Herr Schmidt also, dass Karla Spagerer einen Bericht über die Gräuel der Nazizeit und über einen Krieg mit 60 Millionen Toten, sechs Millionen Menschen jüdischen Glaubens und den Bombenhagel in Mannheim als „missbrauchte Zeitzeugin“ schildert. Schlimmer noch, Frau Spagerer wollte uns mit ihren Schilderungen natürlich „manipulieren“ und wir Teilnehmer haben das noch nicht einmal bemerkt.

Wer manipuliert?

Herr Schmidt, mir stellt sich die Frage, wer hier eigentlich manipulieren möchte. Ihre „Partei“, die die Nazizeit als „Vogelschiss“ bezeichnet, das Holocaustdenkmal in Berlin ein Denkmal der Schande nennt und der Schulunterricht in Zukunft im Fach Geschichte doch bitteschön „neutral“ gestaltet werden soll: Von Ihnen soll ich mir also sagen lassen, dass der sehr beeindruckende Bericht von Karla Spagerer „unanständig“ ist und mit „fairem politischen Umgang“ nichts zu tun hat.

Sorge sachlich formuliert

Nein, Sie lenken mit Ihren Diffamierungen nur von den Verbrechen in der Nazizeit ab. Dass Karla Spagerer ihre Sorgen vor der Zukunft in unserem Land in sachlicher Art formulierte, teile ich voll und ganz. Wer charakterlose, empathielose Politiker zu seinen Freunden zählt, zeigt nur, was er beschließt, sollte er jemals an die Macht kommen. Genau das hat Karla Spagerer formuliert, die weder „missbraucht“ wurde, noch die Teilnehmer*innen der Gegenveranstaltung „manipuliert“ hat und diese sich auch nicht manipulieren ließen. (von Margit Nellen, Mannheim)

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/2ZEh4Bb