Leserbrief

Spahn geht Schnelligkeit vor Qualität

Zum Artikel „Gesundheit soll smarter werden“ vom 8. November:

Es ist sicherlich richtig, dass die Kommunikation im Gesundheitswesen zwischen Praxen, Kliniken, Apotheken, Pflegeeinrichtungen und anderen Leistungserbringern reformbedürftig ist und digitalisiert werden muss. Minister Spahn zeichnet leider aus, dass bei seinen bisherigen Gesetzesschnellschüssen Schnelligkeit vor Qualität geht.

Kritik von Datenschützern

Digitalisierung hört sich erst mal gut an, die konkrete Durchführung des Vorhabens sieht leider nicht mehr so gut aus. Der Anschluss der Arztpraxen an die „digitale Welt“ geschieht über sogenannte TI-Konnektoren, eine Art Router, über den die Daten weitergeleitet werden. Eine ganze Reihe von IT-Fachleuten und Datenschützern kritisiert die eingeschränkte Datensicherheit dieser Geräte und raten von einer Installation dieser Konnektoren ab. MEDI Baden-Württemberg, ein großer fachübergreifender Ärzteverband klagt derzeit gegen die Pflicht zur Einführung dieser unsicheren Konnektoren.

Erheblicher Konfliktstoff

Dass Ärzte, die momentan nicht diese unsicheren Geräte in ihre Praxen stellen wollen, mit Honorarabzug bestraft werden, ist völlig inakzeptabel. Solange die Datensicherheit bei Gesundheitsdaten, die sicherlich zu den sensibelsten Daten gehören, nicht umfänglich gewährt ist, muss vor Spahn’schen Schnellschüssen gewarnt werden. Hier muss ein gesellschaftlicher Konsens gefunden werden – insbesondere müssten vor einem Gesetzgebungsverfahren die eigentlich Betroffenen, die Patienten, in die Diskussion mit einbezogen werden. Wir Ärzte stehen unter Schweigepflicht – auf der anderen Seite sind wir verpflichtet, immer mehr Daten unserer Patienten weiterzugeben. Hier ergibt sich erheblicher Konfliktstoff!

Michael Eckstein, Reilingen

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2OHI6Sf

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