Leserbrief

SPD zu stark von Berlin aus dominiert

Zum Debattenbeitrag „Ist die SPD noch zu retten, Herr Fuß? vom 14.9.:

Die Probleme bei der SPD liegen weitaus weniger in den einzelnen Bundesländern oder in den Kommunen, sondern vor allem darin,was sich da laufend in Berlin abspielt: der Wechsel von Vorsitzenden. In Vielem ist man dort mit sich selbst beschäftigt. Aus Machen können auch schnell Macht und Machenschaften zustande kommen, ohne das überhaupt groß zu bemerken. Die SPD war einst vor allem eine Partei der Lohnabhängigen und der kleinen Mittelständler. Leider ist hierbei vieles verloren gegangen.

Statt ein Von-Unten-Nach-Oben, wird das Ganze jetzt mehr in Berlin von oben nach unten bestimmt. Mitglieder- oder Bürgerbefragungen bilden hierbei eher die Ausnahme. Doch trotz allem derzeitigen Wenn und Aber wird eine Partei wie die SPD, die schon so lange existiert, dabei nicht völlig untergehen. Sie hat sich wieder mehr an den Bedürfnissen der Menschen zu orientieren, im Dialog freundlicher zu wirken. Die Menschen von unten abzuholen, auf dem Bahnhof, wo sie gerade stehen. Eine Politik zum Anfassen auf Augenhöhe.

Wut und Aggression

Das wurde zum Beispiel leider auch in Ostdeutschland viel zu wenig in Betracht gezogen. „Wir wissen schon, was für euch da gut ist...“ Und so braucht man sich dort nicht über die entsprechenden Stimmergebnisse zu wundern. Protestparteien kommen da zutage, wo die Bürger sich nicht mehr verstanden fühlen. Wo aus Wut sich Aggression herausbildet. Sprachlosigkeit zutage kommt. Wann sieht man schon im Alltag einen Spitzenpolitiker, der bei Normalbürgern auftaucht? (von Manfred Fischer, Mannheim)

Dieser Beitrag ärgert mich umso mehr, als mir die derzeit sich wieder häufenden Negativkommentare in der gesamten Presse gehörig auf die Nerven gehen. Ich bin kein SPD- Mitglied, aber ich bin in einer Arbeiterfamilie aufgewachsen, in der immer sehr viel über Politik, auch kontrovers, diskutiert wurde und habe früh gelernt, wie wichtig die Sozialdemokratie für unser Land ist und schon immer war. Warum lässt man dieser Partei jetzt nicht mal die Zeit, sich neu zu formieren?

Angst vor Linksruck?

Hat man vielleicht zu große Angst vor einem Linksruck in die Position zurück, wo diese Partei wieder ihre Stärke zurückgewinnen könnte? Wir sind hier in der Pfalz mit einer SPD-Regierung sehr zufrieden. Soziale Leistungen wie zum Beispiel kostenlose Kitas genießen junge Familien hier seit Jahren. Warum, lieber Herr Fuß, warten Sie nicht mal geduldig ab, wie sich die SPD weiter entwickelt und beschäftigen sich erst mal mit den anderen Parteien? Da wäre doch derzeit genug für einen Journalisten zu kritisieren und zu hinterfragen. (von Ingrid Vogel, Schifferstadt)

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2l1SfOG