Leserbrief

Zum Thema Bundesgartenschau

Stadt der Visionäre

Die BUGA hat man so zum Zankapfel einer Stadt hochgespielt, dass es für einen normalen Bürger schon peinlich ist. Da werden Bürgermeister und Fraktionen zu Befehlsempfängern gemacht. Auch ein Oberbürgermeister ist Mandatsträger, dessen Aufgabe es nicht sein kann, die Bürger in Lager zu spalten und Feindbilder zu erzeugen.

Wahrscheinlich fehlt bei dem Bürgerentscheid vermutlich auch die dritte Bezeichnung: "BUGA ja, aber in abgespeckter Form ohne Landschaftsschutzgebiete Feudenheimer Au." Diese enormen Kosten könnte man ja dazu verwenden, den Luisenpark zu sanieren. Übrigens: Bei den Plänen der BUGA ging man immer von einem Biotop aus. Mittlerweile spricht man vom "Wohnen am See". Das Städtische Bauamt muss doch wissen, dass bei einer Länge von 1,5 km 50 m in die Au und 2 m in die Tiefe, was noch fraglich ist, ein Erdaushub von 150.000 Kubikmeter wertvollen Ackerbodens voraussetzt. Man will ein stilles Gewässer durch Fluten erreichen, das man auch ablassen könnte. Aber auch das sind 150 000 Kubikmeter Wasser mal 1 000 Liter (übrigens: nach wie vor ist 1 Kubikmeter 1 000 Liter). Stechmücken aller Art und anderes Getier sind hier die Folgen.

Mannheims Innenstadt in hochgradig sanierungsbedürftig - wieso ignoriert man das? Wir haben so viele Schandflecke in der "sogenannten Kulturhauptstadt".Die nächste Vision kommt aus der Kunsthalle, von einer Leiterin, die sich bald rühmen kann, die schönste Schuhschachtel Europas zu leiten.

Ich hoffe doch sehr, dass der Wasserturm im Sommer nicht zu viel Schatten auf die Schachtel wirft, sonst hätte man wahrscheinlich wieder eine neue Vision. Aber das Problem in unserer Stadt ist eigentlich die politische Avantgarde. Sie muss keine Haftung übernehmen, deshalb braucht auch keiner für seine imaginäre Denkweise Verantwortung tragen. Dieser Vorgang wird dann noch als Vision vermarktet. Ist doch erstaunlich, wie viele Möglichkeiten es gibt, sich profilneurotisch zu verwirklichen.