Leserbrief

Stadtbibliothek muss im Zentrum bleiben

Zum Artikel "Stadtbibliothek in Sackgasse?" vom 11. November:

Dass der Mannheimer Gemeinderat sich immerhin für eine neue Stadtbibliothek ausgesprochen hat, in der die einzelnen Bereiche in N 1 und Dalberghaus in einem Haus zusammengefasst werden, ist äußerst löblich. Nun kommt also die Standortfrage und schon sind wir in einer Sackgasse? Ja, warum denn: Weil vielleicht nicht so sehr nach der Sache entschieden wird, sondern nach parteipolitischer Ausrichtung. Die jährlich gut 600 000 Besucherinnen und Besucher der Stadtbibliothek (welches Bildungs-/Kulturinstitut kann diese Zahlen aufweisen?) erwarten jetzt einen parteiübergreifenden Konsens.

Sprach- und Leseförderung wird von allen gefordert, also sollten auch die Rahmenbedingungen stimmen. Die Defizite in den jetzigen Häusern sind lange genug bekannt: In N 1 hohe Lärmbelästigung, Raumenge, sanitäre Anlagen sind eine Zumutung, Dalberghaus nicht barrieregerecht. Und jetzt soll alles an der Standortfrage scheitern?

Diese Entscheidung sollte unter dem Aspekt der Nutzung der Stadtbibliothek vorgenommen werden, denn gerade die zentrale Lage ist für die Stadtbibliothek ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Als sehr häufige Benutzer der Bibliotheksbereiche in N 1 und im Dalberghaus können wir nur davor warnen, die Stadtbibliothek außerhalb des Zentrums zu etablieren. Wissen die Entscheider, dass sehr viele Besucher die zentrale Lage deshalb schätzen, weil vorher/anschließend noch Erledigungen jeglicher Art gemacht werden können; dass sehr viele Berufstätige und auswärtige Benutzer (es gibt seit zehn Jahren eine Metropol-Card der Stadtbibliothek!) die Bibliothek in Mittagspause, nach Feierabend nutzen; dass Elternteile, die für eine gewisse Zeit in die Kinder- und Jugendbibliothek gehen, anschließend in der Innenstadt einkaufen, essen gehen.

Grünbereich soll nicht weichen

Glauben die Entscheider wirklich, dass all diese zahlreichen Benutzer extra zum Alten Messplatz fahren? Wo ist da ein attraktives Geschäfts- und Aufenthaltsumfeld? Zum Standort Alter Messplatz: Eine Aufwertung der Neckarstadt wird sich allein mit dem Bau einer Stadtbibliothek am Alten Messplatz nicht erreichen lassen, dazu gehören auch andere Aktionen (Sauberkeit, Sicherheit) Wo würde der Besucher der Stadtbibliothek am Alten Messplatz ein attraktives Umfeld zum Einkaufen, Flanieren, Besuch von Gaststätten finden, so wie in der Innenstadt?

Und muss wirklich wieder ein Grünbereich am Neckarufer einer Bebauung weichen? Die Entscheider als Vertreter der Bürger unserer Stadt sollten daran denken, was den Besuchern der Stadtbibliothek nutzt. Schon viel zu lange wurden Entscheidungen bezüglich der Stadtbibliothek auf die lange Bank geschoben. Andere Städte sind hier sehr viel mutiger und diskutieren nicht endlos. (Regina und Horst Umland, Mannheim)

Ich halte den geplanten Abriss des Parkhauses in N 2 für eine Schnapsidee. An welcher zentralen Stelle in der Innenstadt sollen die 286 wegfallenden Parkplätze baulichen Ersatz finden? So lange mein Mann und ich für eine Fahrt in die Innenstadt und zurück in den Vorort mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fast zehn Euro berappen müssen, wir aber ein versichertes und versteuertes Auto in der bezahlten Garage stehen haben und für maximal 4,50 Euro (je nach Parkhaus) drei Stunden parken können, was für unsere Vorhaben ausreicht, werden wir mit dem Auto in die Stadt fahren und können mit dem gesparten Geld noch gemütlich einen Kaffee trinken gehen.

Mein Alternativvorschlag: Bauen Sie das Stadthaus um, das ein Großteil der Bevölkerung seinerzeit nicht wollte und bis heute nicht angenommen hat, in das, gäbe es dort nicht die Stadtbibliothek, das Büro der rnv und das Oststadttheater, kaum jemand einen Fuß setzen würde. Beim Gang durch das Erdgeschoss ist es nur immer wieder unterhaltsam festzustellen, welcher Laden jetzt wieder dichtgemacht hat. Die Stadt versichert doch bei jeder Gelegenheit, den Einzelhandel stärken und unterstützen zu wollen. Diese Pläne führen eher dazu, dass sich noch mehr Kunden zum Einkaufen auf die sogenannte grüne Wiese verziehen. (Bianca Beyer, Mannheim)