Leserbrief

Stadtparks nicht an Interessen der Mannheimer vorbei sanieren

Zum Artikel „Abrisspläne bleiben bestehen“ vom 1. Dezember:

Der Luisenpark und Herzogenriedpark – die „green Stubb vun Monnem“ – ist in die Jahre gekommen. Aber vielleicht auch die Verantwortlichen? Die Seebühne bedarf einer verbesserten Überdachung und technischer Ausrüstung. Gibt es da keine Sponsoren oder Aktionen, um Geld dafür in die Kasse zu bekommen? Auch würde es den Promiveranstaltungen auf der Seebühne gut tun, nicht allzu hohe Eintrittspreise abzuverlangen. Oder wieder mal Musicals zu veranstalten, wie das früher so der Fall war.

Im großen Raum Pflanzenschau-Haus könnte ebenfalls mehr an Veranstaltungen und Ausstellungen los sein. Ein neuer Trimm-Weg wäre angebracht. Eine Boccia-Bahn wäre auch nicht übel. Ein Gehege mit Ziegen zum Streicheln wie in Tripsdrill wäre auch etwas für alle Besucher.

Wen will man erreichen?

Gastronomie bietet sich in diesem großen Park an, aber auch bitte für Besucher, die weniger ausgeben können – vielleicht was mit Selbstbedienung? Die Verantwortlichen haben sich zu fragen, welchen Personenkreis will man erreichen? Was hat man im Laufe eines Jahres immer wieder neu anzubieten? Was ist dazu nötig? Und wie soll das jetzt umgesetzt werden? Altbewährtes mag ja gut sein, es kann auch Stillstand beinhalten... Manfred Fischer, Mannheim

„Yuppies“, die für den Besuch einer Vinothek den Eintritt in den Luisenpark bezahlen, können wir uns beispielsweise beim besten Willen nicht als neue Kerngruppe vorstellen. Vielmehr sind Familien neben älteren Menschen sicherlich auch weiterhin die Personengruppen, die am meisten von grünen Lungen in zentraler Lage profitieren.

Familien ansprechen

Da wäre es aus unserer Sicht sicherlich zielführend und im Sinne des Integrationsgedankens, gezielt Familien mit „Migrationshintergrund“ anzusprechen und zum Kauf von Jahreskarten zu motivieren. „Gezieltes Ansprechen“ müsste die unterschiedlichen Sprachen der Familien ebenso berücksichtigen wie die Kanäle, über die speziell die Mütter erreicht werden können. Da sollte die mündliche Information in den jeweiligen Herkunftssprachen nicht unterschätzt werden.

Überlegungen, den Herzogenriedpark noch weiter „abzuspecken“, berücksichtigen ganz offensichtlich nicht, dass er vor allem für Familien mit geringeren Einkommen quasi vor der Haustür liegt und darum für diese Personengruppe eine der wenigen Möglichkeiten ist, sich günstig in einem (früher?) attraktiven naturnahen Umfeld aufzuhalten. Wenn die Unterhaltskosten durch Vandalismus erhöht sind, muss man eben Geld für eine bessere Überwachung in die Hand, aber nicht die Familien in „Sippenhaft“ für die Vandalen nehmen, und man muss die Spielregeln, die eingehalten werden sollen, auch für alle Nutzer verständlich und sichtbar präsentieren. Dass hier Nachholbedarf besteht, fällt viel zu oft auf, wenn man sich mit offenen Augen im öffentlichen Raum bewegt.

Was den Abriss von Bestandsgebäuden angeht, gibt es hierfür natürlich nach über 40 Jahren teilweise sicherlich gute Argumente – vor allem, weil die öffentliche Hand wie so häufig nicht regelmäßig sinnvolle Erhaltungsmaßnahmen finanziert hat. Doch die Art des Ersatzes sollte nicht aufgrund aktueller „Moden“ festgelegt werden, sondern nach den Nutzungsarten. Wenn die Weinstube kostendeckend arbeitet, sollte ihr Konzept nicht kaputt gemacht, sondern nach einer Sanierung oder einem Typ passenden Neubau im Prinzip weitergeführt werden.

Wir hoffen sehr, dass die Mannheimer Grünen „Ihre“ Bürgermeisterin stoppen können, bevor sie die Stadtparks an den Interessen der Mannheimer vorbei saniert und so zu einem genauso abgelehnten Angebot gemacht hat, wie es das Stadthaus in N1 noch immer ist. Elisabeth und Siegfried Weber, Mannheim

Natürlich hat man sich als langjähriger Besucher des Luisenparks an die Gegebenheiten gewöhnt, so auch an die Lokalitäten. Ob eine Sanierung möglich und wirtschaftlich wäre, kann ich nicht beurteilen. Was mich mehr stört ist das neue Konzept, eine „gehobenere“ Gastronomie vorzusehen. Ich halte das jetzige Konzept für vielseitig, der Kiosk bei den Schachspielplätzen und das Freizeithaus für den kleineren Geldbeutel, man denke an Familien mit mehreren Kindern, die guten und preisgünstigen Angebote am Pflanzenschauhaus, die gehobene Küche im Seerestaurant.

Da passt auch die Weinstube mit den regionalen Angeboten im Sommer gut dazu. Das hat nichts mit den Gebäuden selbst zu tun. Ernst-Michael Jaeckel, Oftersheim

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2nW66qC