Leserbrief

Stillose und einförmige Zeiten

Zum Artikel „Parkfreunde informieren“ vom 2. Juli:

Bei der Stadtgründung Mannheims im Jahre 1607 hat man sich natürlichen Gegebenheiten angepasst. Daher wurden die Quadrate längs der

vorherrschenden Windverhältnisse (Südwestströmung) errichtet. Diese

Windrichtung wurde bewusst berücksichtigt, damit eine Durchlüftung der Stadt möglich wurde.

Auch im 19. Jahrhundert, als man östlich des Schlosses die Villen der L-Quadrate baute, wurde diesem Sachverhalt Rechnung getragen (Längsseite des Quadrats in Windrichtung). Im 20. Jahrhundert wurden nach den Kriegszerstörungen die Quadrate F 5/6 und S 5/6 aus eben diesem Grunde in Längsrichtung so gebaut, dass mit der Windrichtung die nötige Durchlüftung gewährleistet war. Ganz anders hingegen im jetzigen modernen 21. Jahrhundert. Das geplante Rechenzentrum der Uni in A 5 vor der Sternwarte wird durch die Querstellung die Frischluft vom Rhein sicherlich beeinträchtigen, zusammen mit der sich anschließenden bis zum Parkring durchgehenden Uni-Bibliothek (1970er Jahre).

Was gerade am Postareal an Riegelbauwerk entsteht, spottet hinsichtlich Luftzufuhr vom Rhein jeder Beschreibung. Eine bessere Blockade für die Belüftung der Schwetzingerstadt kann man nicht bauen! Und dieser Bauwahn wird von allen Politikern beklatscht, womit sie ihr ökologisches Handeln unter Beweis stellen. Dach und Fassadenbegrünung gewünscht, aber nicht notwendig. Eine interessante Aufgabe für die Mannheimer Klimaschutzagentur wäre es zu erforschen, wie sich der zusätzliche Wärmeausstoß all dieser Neubauten real auswirkt.

Kurzfristige Renditewünsche

Ich denke da an all die Klimaanlagen im Hitzesommer auf den Dächern, sowie die nach Feierabend abgestellten aufgeheizten Autos in den Tiefgaragen. Von den erwärmten und abstrahlenden Mauerwerken selbst mal abgesehen. In der feudalen Gründerzeit Mannheims gab es zwar keine Menschenrechte, wohl aber eine Einbeziehung von Naturverhältnissen. Heute mag es hingegen, Gottseidank, Menschenrechte geben, man opfert aber die Naturbedingungen für ein menschengerechtes Leben, um kurzfristige Renditewünsche Einzelner durch rücksichtslose Baumaßnahmen zu erfüllen. Den zubetonierenden Baustil der 1950/60er Jahre nannte man treffenderweise „Brutalismus“. Für die heutige Stillosigkeit/Einförmigkeit fehlen mir bislang die Worte.

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3jqRlog