Leserbrief

Talentierten Nachwuchs in die Eishockey-Clubs bringen

Zum Artikel „Seit zehn Tagen Nonstop Gänsehaut“ vom 27. Februar:

Ohne auch nur im Geringsten den Einsatz und die gewonnene Silbermedaille unserer Eishockeycracks bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang schmälern zu wollen, sollte man bedenken, dass dieses Turnier und die Vergabe der Medaillen ohne die weltbesten Eishockeyspieler stattgefunden hat, weil diese bei der NHL gebunden waren.

Wenn man sich bei den Verantwortlichen unter Franz Reindl, Marco Sturm und dem Präsidium des Deutschen Eishockey-Bundes, dem auch Adler-Geschäftsführer Daniel Hopp angehört, nun auf einen neuen Eishockey-Boom einstellt (oder erhofft), das heißt, besser werden, wachsen, und mit Fördermaßnahmen in Trainer und Nachwuchsarbeit investieren möchte, ist dies primär positiv zu sehen und verdient Respekt.

Parallel hierzu müssen aber Grundvoraussetzungen geschaffen werden, um über den Breitensport auch talentierten Nachwuchs in einer größeren Dichte in die Vereine zu bringen. Die Kufenflitzer aus den ost- und nordeuropäischen Ländern – und den USA und Kanada – zeigen uns auf, dass die Grundlage eines guten Eishockeyspielers definitiv das Schlittschuhlauftraining in frühester Kindheit darstellt. Während dem Nachwuchs in diesen Ländern bestimmt das ganze Jahr über Eisflächen zum Üben auch außerhalb der Vereinsebene zur Verfügung stehen, sind in unserer Region (wie zum Beispiel im Eissportzentrum Mannheim-Herzogenried) die Tore von März bis Oktober für die Öffentlichkeit geschlossen. Nimmt man von den Öffnungszeiten noch die Ruhe-und Feiertage sowie die speziellen Themenlaufzeiten weg, so verbleiben nur noch wenige Möglichkeiten, bei denen die Kinder auch einen Eishockeyschläger mit aufs Eis bringen dürfen. Nicht viel anders sieht es im Eisstadion Ludwigshafen aus, falls man es überhaupt geschafft hat, trockenen Fußes durch die unzähligen Wasserpfützen des verschlammten Parkplatzes bis zur Kasse zu gelangen. Von dem Zustand der sanitären Anlagen ganz zu schweigen.

Lob für die Familie Hopp

Man stelle sich einmal vor, auf welchem Niveau sich unsere Fußballnationalmannschaft und unsere Vereinsmannschaften heute international bewegen würden, wenn unser Fußballnachwuchs nur fünf Monate im Jahr für diesen Sport trainieren könnte. Bei der Fußball Europameisterschaft 2016 hat die isländische Nationalmannschaft mit ihren Leistungen für Furore gesorgt. Der Hauptgrund hierfür waren aber nicht etwa „vom Himmel gefallene Talente“ oder die durchgeführten Maßnahmen zur Aufstockung und Schulung von Trainern, sondern eine flächendeckende Infrastruktur mit dem Bau von überdachten und beheizten Fußballplätzen, bevorzugt in der Nähe von Schulen, damit es den fußballbegeisterten Kindern möglich ist, nicht nur drei Monate im isländischen Sommer zu „bolzen“, sondern das ganze Jahr über.

Ohne das Engagement der Familie Hopp (allen voran Daniel Hopp), ohne die es die SAP Arena und auch damit das Leistungszentrum Mannheim des MERC und der Jungadler nicht gäbe – ich behaupte sogar den Eishockeysport in Mannheim gar nicht mehr geben würde – würde es auf Vereinsebene und in der Nachwuchsarbeit in unserer Region düster aussehen. Was die Trainer und Betreuer (oftmals ehrenamtlich!) in den Nebenhallen der SAP Arena leisten, ist beeindruckend.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2FxjLbJ