Leserbrief

Thunberg als neuer Messias

Zum Zeitzeichen „Greta-Witze verboten?“ vom 16. Oktober:

Wann hat ein Mensch schon die Sternstunde, die Entstehung einer neuen Religion zu erleben? Wir haben dieses Glück, die neue Religion des „Klima-Aktivismus“ mit Greta Thunberg als Messias aufgehen zu sehen. Kritik-, Ironie- und Satireverbot sind Teil der Strategie derer, die mit der Marke und der Person Greta Thunberg verdienen.

Sie verpassen einem Mädchen, das wohl ehrlich das glaubt, was es sagt, eine Immunität durch Kanonisierung. Greta ist von nun an eine Heilige, die unantastbar wird und Weisheiten und Wahrheiten von sich gibt und die wie ihre literarische Landsmännin Pippi Langstrumpf den dummen Erwachsenen die Welt erklärt. Vielleicht ist es an der Zeit, die ganze Klimafrage ohne Pippi-Langstrumpf-Mentalität anzupacken. Statt zu fordern, Kohlekraftwerke sofort abzuschalten, sollte man mit sechzehn Jahren auch in der Lage sein, über die Tragweiten von Forderungen nachzudenken.

Unnötiger Stromverbrauch

Das heißt dann eben auch, zu akzeptieren, dass man neue Techniken und die Versorgung mit erneuerbaren Energien nicht mal eben aus dem Hut zaubern, sprich herbei demonstrieren kann. Es gilt zu überlegen, welche Möglichkeiten es derzeit gibt und welche angegangen werden müssen. Möglichkeiten, die nicht aus vorindustrieller Zeit stammen.

Beispielsweise wie man durch eigenes Handeln das Öko-Monster Internet, das ein CO2-Produzent im höchsten Maße ist, klimaneutral entwickeln kann. Weniger Google, weniger Instagram, weniger Facebook, weniger Whats-App und weniger Twitter würde schon helfen. Hat jemand ausgerechnet, wie viel unnötiges CO2 der Shitstorm über Dieter Nuhr verursacht hat? Doch jeder schreit wie süchtig nach Digitalisierung. Oder wie man weltweit unnötigen Stromverbrauch vermeiden kann – Stichwort Leuchtwerbung in den Großstädten, globale Lichtverschmutzung und so weiter. Oder wie es gelingen kann, die Weltbevölkerung zu senken – und das ohne Kriege oder Hungerkatastrophen.

Ablass wie vor 500 Jahren

Das ist nämlich das große Problem und Manko der Fridays for Future und anderer, radikaleren Klimaschutzbewegungen, dass sie die Antwort schuldig bleiben, wie sie derzeit einer Weltbevölkerung von rund acht Milliarden Menschen – Zahl steigend – eine klimaförderliche Entwicklung aufzeigen und sie mit Energie versorgen wollen. Da geht man lieber öffentlichkeitswirksam demonstrieren, arbeitet einem Staat in die Tasche, der nichts lieber macht, als neue Steuern zu kreieren. Aber die, die sich die CO2-Steuer leisten können, zahlen sie gerne, ohne sich einschränken zu müssen, so wie ihre Vorfahren vor 500 Jahren die Ablassbriefe kauften. Womit wir wieder beim Glauben und bei der Religion wären.

Rolf Menz, Wilhelmsfeld

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/31x45zE

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