Leserbrief

Toller Überblick zu Verkehrsproblematik

Zum Artikel „Nichts geht mehr“ vom 26. Oktober:

In Ihrem Artikel haben Sie einen sehr guten Überblick zur Verkehrsproblematik in der Metropolregion Rhein-Neckar infolge der maroden Infrastruktur gegeben. Als ehemaliger Straßenplaner bei der Mannheimer Stadtbauverwaltung kann ich bis zum Jahr 1970 zurückblicken und muss feststellen, dass damals noch gute Voraussetzungen für eine dritte Brücke bei Altrip infolge eines vorhandenen Linienfeststellungsverfahrens bestand.

Der damalige Dezernent für Tiefbau bei der Stadt Mannheim war der Bauingenieur Wolfgang Borelly, welcher dank seiner guten Beziehungen zum Bundesverkehrsministerium in Bonn erreichen konnte, dass der Rhein-Neckar-Schnellweg (B 38a) in die höchste Priorität im Bundesverkehrswegplan kam, bei einer 100-Prozent-Finanzierung durch den Bund. Leider haben die Mannheimer Stadträte dieses, für die Region so wichtige Verkehrsprojekt schlechtgeredet und lediglich Teilabschnitte (zwischen Feudenheimer Straße und Casterfeldstraße) akzeptiert, was somit bei der fehlenden Altriper Brücke und der nördlichen Fortsetzung bis zur B 38 beim Ortsteil Vogelstang nur ein Verkehrstorso ermöglichte.

Baumängel bei Hochstraße

Das Bundesverkehrsministerium ließ viele Jahre das Projekt Rhein-Neckar-Schnellweg (B 38a) im Bundesverkehrswegeplan und musste schließlich nach fehlender Akzeptanz der politischen Mandatsträger dieses Projekt im Bundesverkehrswegeplan streichen. Damals profitierte Worms mit der ihrer gewünschten zweiten Rheinbrücke.

Die Hochstraßen-Probleme in Ludwigshafen sind auf Baumängel zurückzuführen, da Betonbrücken bei guter Ausführung eine Lebensdauer von 80 Jahren erreichen sollten. Hier rächt sich eine reduzierte Brückenbauabteilung bei der Stadt Ludwigshafen. Mannheim hat seit Jahren eine leistungsstarke Brückenunterhaltung mit ausgebildeten Bauingenieuren, welche alle vorgeschriebenen Brückenprüfungen selbst durchgeführt hat und sanieren konnte.

Leider haben die Stadtratsparteien kaum noch Verkehrsexperten in ihren Reihen, so dass wenig fundierte Vorschläge zur Lösung der Probleme bei der Verwaltung eingebracht werden. In den 1970er und 1980er Jahren hatte sich die Industrie- und Handelskammer noch sehr für die dritte Rheinquerung engagiert. Heute ist von diesem Verband, der sich eigentlich für eine gute Infrastruktur seiner Mitglieder einsetzen müsste, kaum noch was zu hören.

Tatsache ist, dass bei den lediglich zwei vorhandenen Rheinbrücken, infolge der in die Jahre gekommenen Bauwerke, öfters erforderliche Brückensperrungen für eine Sanierung erfolgen müssen und diese bei fehlenden Ausweichmöglichkeiten zu unerwünschten Staus für die Verkehrsteilnehmer führen.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2WHRt83