Leserbrief

Traubenkirsche ein unrühmliches Beispiel

Zum Artikel „Mehr als 2000 Kiefern fallen“ vom 16. Januar:

In der Ausgabe vom 16. Januar bringt der „MM“ einen Bericht und einen Kommentar zum Waldumbau, der im Käfertaler Wald eingeleitet worden ist. Es gehe darum, unter dem Titel „Klimawald“ durch Anpflanzung verschiedener Baumarten herauszufinden, welche mit der auf uns zukommenden Klimaerwärmung auf dem hiesigen trockenen Sandboden am besten zurechtkommen würden.

Vielversprechende Kandidaten seien die Korkeiche, Ahorn, Kastanie und Wildkirsche. Vorrangig sei hierbei, wie auf den städtischen Internetseiten angegeben wird, nicht die Holzproduktion, sondern die Erholungs- und Umweltschutzfunktion des Waldes. Diese bekundeten Prioritäten sind sicherlich richtig, jedoch steht dazu im Widerspruch, in welch unbekümmerter Art und Weise die „vielversprechenden Kandidaten“ ausgesucht worden sind.

Kaum Vögel in Kastanien

Bis auf die Wildkirsche sind die Kandidaten alle nicht von heimischer Herkunft, sondern Neophyten (eingewanderte Flora). Welche unerwarteten Probleme man sich mit Neophyten einhandeln kann, zeigt sich am Beispiel der Rosskastanie. Meine Tochter hat während ihres Biologiestudiums gehört, dass diese Kastanie vor 200, 300 Jahren aus Korea und Kleinasien bei uns eingeführt worden sei. Aber noch heute sei dieser Baum nicht voll in die heimischen Biotope integriert. So würden bei uns nur zwei Mückenarten von und mit der Rosskastanie leben, während in heimischen Bäumen eine Vielzahl von Mückenarten ihren Lebensmittelpunkt haben. Wenn das stimmt, dann wird man auch kaum Vögel in den Kastanienbäumen sehen.

Was nutzen uns aber gutwüchsige Wälder, in denen keine Vögel vorkommen? Die hiesigen Forstämter haben schon in der Vergangenheit mit fremden Baumarten experimentiert. Ein unrühmliches Beispiel ist die spätblühende Traubenkirsche. Sie ist ursprünglich heimisch in Nordamerika. Weil sie dort auf armen Böden gute Wuchseigenschaften erbringt und wertvolles Holz liefert, wurde sie bei uns im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert im Rahmen der sogenannten Fremdländeranbauten systematisch angepflanzt.

Kleinwüchsig und buschartig

Der Baum wuchs bei uns jedoch nicht so, wie er sollte, er war kleinwüchsig und buschartig, erschwerte damit die Forstarbeit und behinderte andere Bäume an der Naturverjüngung. Früchte und Holz sind zudem giftig für Mensch und Tier. Im Ried kann man sich bei Waldspaziergängen davon überzeugen, dass die Traubenkirche zu einer wirklichen Plage geworden ist. Solche Erfahrungen sollten für die Forstwirtschaft eigentlich eine heilsame Lehre sein.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2tCsvN7