Leserbrief

Türkische Mitbürger am Strandbad berücksichtigen

Zum Artikel „Das Strandbad ist auch ein Opfer seines Erfolges“ vom 12.4.:

Selbst meine Frau, die meine Aktivitäten am Strandbad im Jahr 2006 aus kritischer Distanz betrachtet hat, war von dieser Seite des „Mannheimer Morgen“ doch leicht schockiert. Sie sprechen in ihren Artikeln nicht ein einziges Mal von unseren oder über unsere türkischen Mitbürger, die das Grillen am Strandbad nun schon mehr als ein Jahrzehnt auf ihre Weise genießen. Auch wenn der Bezirksbeirat und der sogenannte Förderverein Mastra darüber kein Wort verlieren, so erwarte ich doch von einem kritischen Journalismus, dass die Frage gestellt wird, ob und wie die türkischen Mitbürger in den Entscheidungsprozess einbezogen wurden oder werden.

Es kann Ihnen doch nicht entgangen sein, dass konservativen Kräften schon seit der Auseinandersetzung um das Strandbadrestaurant das Grillen der überwiegend türkischen Mitbürger ein Dorn im Auge ist. Im Jahr der Auseinandersetzung über das Strandbadrestaurant und die Strandbadnutzung konnte ich verhindern, dass in „meiner“ Bürgeraktion die Stimmen eine Einflussmöglichkeit bekamen, die damals die Beschädigung des Rasens durch die „Türken“ beklagten. Heute beklagen sie den Rauch und die Vermehrung der Nilgänse durch liegengebliebene Essensreste. Nicht wenige meinen allerdings dasselbe. Schon damals wurde über die allzu intensive Nutzung der Grillwiese geklagt. Vorgeschlagen wurde damals durch Bepflanzung die verfügbare Grillfläche zu reduzieren, was ja auch vorsichtig umgesetzt wurde.

Mit etwas Kreativität könnte die Fläche weiter reduziert werden. Vorstellbar sind unter anderem Kletterfelsen für Kinder, ein kleiner künstlicher Wasserfall, Rabatten mit Rosen und so weiter. Die Übernutzung soll nun mit dem Errichten von wenigen – nämlich, sage und schreibe zwölf – Feuerstellen und einem Regelwerk nach urdeutschem Selbstverständnis gelöst werden.

Wurde schon entschieden, an welchen dieser Feuerstellen Schweinefleisch und wo Lammfleisch gegrillt werden darf? Welcher Brennstoff darf eingesetzt werden? Wie wird festgelegt, wer wann dran ist - muss vorher wie am Schalter am Bahnhof ein Ticket gezogen werden? Darf das Lamm vor der Bratwurst und die vor dem Kalbsteak gegrillt werden? Welche Marinade darf eingesetzt werden? Wie lange darf was gegrillt werden? Wer reinigt den Grill und wie? Fragen über Fragen. Ich schlage die Einführung eines Standgerichts vor, das vor Ort Streitigkeiten schlichtet und gegebenenfalls Urteile fällt. Aus meiner Sicht kommt dieses Regelwerk einer Vertreibung unserer türkischen Mitbürger aus dem Paradies gleich. Wenn das Strandbad nicht länger „Opfer seines Erfolges“ sein soll - soll es nun Opfer fehlender Kreativität, mangelnder Bürgerbeteiligung und sozialer Inkompetenz werden? Ich bitte den Oberbürgermeister Kurz sich der Angelegenheit anzunehmen und wie sein Vorgänger Widder die Ausarbeitung eines vernünftigen Konzepts zu veranlassen, indem mindestens der Migrationsbeirat der Stadt Mannheim aufgefordert wird, die Interessen der türkischen Mitbürger einzubringen.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2WyOyh6