Leserbrief

Tunnellösung in 450 Jahren besser als ebenerdige Strecke

Zum Artikel „ICE-Züge rollen frühestens im nächsten Jahrzehnt“ vom 11. Januar:

Es ist erstaunlich, wie argumentiert wird, wenn für mehr klimafreundlichen Bahnverkehr vermeintliche Opfer gebracht werden müssten. Wenn die neue ICE-Schnelltrasse beispielsweise Fuchs und Hase im Wald bei Lampertheim stören könnte, dann reicht keine Lärmschutzwand, es muss schon ein Tunnel her. Zugegeben, einige Anwohner und Landwirte wären auch betroffen.

Bei allem Verständnis für deren Sorgen: Es gibt heute sehr effektive oberirdische Lärmschutzlösungen. Die jetzt angestrebte Tunnellösung hat nämlich auch einige Nachteile: Abgesehen von den erheblichen Mehrkosten für den Steuerzahler und einer verlängerten Bauzeit ist die CO2-Bilanz der Tunnellösung verheerend. Rechnet man mit dem Querschnitt des vergleichbaren Pfingstbergtunnels in Mannheim, so werden rund 35 000 Kubikmeter Beton pro Kilometer gebraucht. Das heißt 87 500 Tonnen Beton, die jeweils 100 Kilogramm CO2-Emissionen hinterlassen, macht für jeden Tunnelkilometer 8750 Tonnen CO2.

Energieaufwand für Aushub

Gehen wir davon aus, dass dafür auf dem Tunnel wieder Wald wachsen kann (was keineswegs gesichert ist, der Pfingstbergtunnel ist begrünt aber nicht bewaldet), so gewänne man gegenüber einer 15 Meter breiten Bahntrasse durch die Tunnellösung rund 1,5 Hektar Wald pro Kilometer. Nach einer üblichen Faustformel bindet ein Hektar Wald über alle Altersphasen gemittelt rund 13 Tonnen CO2 pro Hektar. Die Tunnellösung ist im Sinne der CO2-Bilanz daher erst nach über 450 Jahren besser als eine ebenerdige Streckenführung. Ob der Tunnel dann wohl noch steht und gebraucht wird?

Übrigens habe ich den höheren Energieaufwand für Erdaushub, Tunnelbeleuchtung und -belüftung in meiner Bilanz noch gar nicht berücksichtigt. Die längere Bauzeit des Tunnels bedeutet auch, dass die Strecke erst fünf bis zehn Jahre später für klimafreundlichen Bahn-Mehrverkehr zur Verfügung steht. Auch das bleibt in meiner Klimabilanz unberücksichtigt. Benno Blessenohl, Ladenburg 

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2TFcqkn