Leserbrief

Überschätzte Katastrophe

Zum Artikel „Experten fürchten Engpass“ vom 11. März:

Wie kann man einen ganzen Artikel über kommende Probleme bei der Stromversorgung im Süden schreiben, ohne auch nur mit einem Wort die Lösung zu erwähnen? So einseitig argumentieren normalerweise nur die Lobbyisten der Energiekonzerne. Die Lösung ist seit 30 Jahren, seit Hermann Scheers Buch „Die gespeicherte Sonne”, bekannt und wird längst praktiziert: Statt Abschaltung von Windrädern die Umwandlung von Solar-/Windstrom in Wasserstoffgas (Power-to-Gas, abgekürzt PtG). Das ist beliebig einsetzbar: zur Rückverstromung bei Belastungsspitzen, zum Antrieb von Brennstoffzellen-Motoren, nach Verbindung mit CO2 („Methanisierung”) zur Verwendung als klimaneutrales „Erdgas” oder in Gasmotoren, ferner in der Version Power-to-Liquid als klimaneutraler Treibstoff.

Grundlage fehlt

In Deutschland laufen derzeit 68 solche Anlagen, davon etwa ein Drittel kommerziell. Die Aggregate für die spezifischen Anwendungen gibt es inzwischen fertig zu kaufen. Der Hauptvorteil bei Wasserstoffgas – neben der Speicherung und vielseitigen Anwendung – ist der Transport mittels der vorhandenen Gasfernleitungen; bei Gas gibt es freie Speicher- und Transportkapazitäten.

Wo also liegt das Hauptproblem? Dass man es machen könnte, aber dennoch nicht macht. Ansätze gibt es allerdings: Niedersachsen plant den europaweit größten Windpark mit Power-to-Gas-Speichern, ein offizielles Gutachten empfiehlt dem Bundeswirtschaftsministerium, auf den riesigen Brachflächen der Braunkohle-Tagebaue das Gleiche zu tun und damit zugleich für Beschäftigung der Kohle-Beschäftigten zu sorgen. Entsprechendes muss unbedingt mit dem Nordsee-Windstrom geschehen.

Was fehlt, ist die gesetzliche Grundlage: kein Windpark ohne PtG-Speicher, Nachrüsten aller vorhandenen Windparks innerhalb von zehn Jahren. Aber wer setzt das durch gegen die Interessen der Konzerne? (Manfred W. Hellmann, Viernheim)

Endlich mal eine realistische Beurteilung der verfehlten Energiepolitik. Vergessen hat Herr Reinhardt allerdings die Folgen zu schildern, die bei einem Blackout zu erwarten sind. Man lese die Bundesdrucksache 17/5672, das ist wie Krieg, mit tausenden Toten. Warum, um Himmels Willen, wer zwingt uns eigentlich, die letzten Kernkraftwerke abzustellen?

Schädlich für das Land

Der panische Ausstiegsbeschluss unter dem Eindruck einer überschätzten Katastrophe war ein Fehler. Der eigentliche Grund für den Ausstieg war allerdings nichts als Wahltaktik der Regierungskoalition, die allerdings in die Hose ging. Die Energiepolitik unserer Regierung muss man als schädlich für unser Land bezeichnen, dabei haben sie geschworen, Schaden vom Volke abzuwenden. Typisch der Bericht „Die Regierung soll sich schämen“ von Herrn Nicilaysen, natürlich dpa, mit tendenziöser Berichterstattung aus Japan, wo er vergisst zu schreiben – welch ein Zufall –, dass Japan seine Kernkraftwerke reihenweise wieder in Betrieb nimmt. (Gerhard Bleckmann, Lampertheim)

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2UNTlKo