Leserbrief

Umbau statt Stilllegung

Zum Artikel „GKM: 100 Jobs auf der Kippe“ vom 15. Mai:

Am Ende seines Artikels stellte Redakteur Martin Geiger die Frage, wie es mit dem GKM insgesamt weiter gehen soll und nannte die Möglichkeit, die vier Kohleblöcke durch ein oder zwei gasbefeuerte Kombiblöcke zu ersetzen.

Wie wichtig dieser Ansatz ist, zeigt folgende Überlegung: Auch grüne Strom- und Fernwärmenetze werden im Jahr 2038 eine witterungsunabhängige Strom- und Heizreserve brauchen, um wochenlange „Dunkelflauten“ im Winter überbrücken und Netzschwankungen ausgleichen zu können. Deshalb werden in Netzschwerpunkten gasbefeuerte Regel- und Heizkraftwerke sowie zusätzliche Strom- und Wärmespeicher (zum Beispiel Pumpspeicher, PowertoGas, Salzbadspeicher) benötigt. So wurden in den letzten Jahren beispielsweise in Köln, Düsseldorf und Kiel gasbefeuerte Regel- und Heizkraftwerke anstelle von Kohleblöcken gebaut.

In Berlin werden derzeit vier Heizkraftwerke diesbezüglich nach- beziehungsweise umgerüstet. Weitere werden folgen müssen, wenn wir in Notzeiten nicht auf Kohlestrom aus Polen und Atomstrom aus Frankreich angewiesen sein wollen. Da das GKM für das Stromnetz im Südwesten systemrelevant bleiben wird und das viertgrößte Fernwärmenetz Deutschlands versorgt, bietet sich hier eine ähnliche technische Lösung an. Keiner sagt, dass dann nur Erdgas verfeuert wird.

Kluger und günstiger Mix

Es können auch Biogas oder Methan aus PowertoGas-Umwandlung sein. Vorstellbar wäre auch eine Biomassezufeuerung in einem schon bestehenden Kessel, anstatt ein neues Biomasse-Kraftwerk zu bauen. Diese Variante wird derzeit in den Niederlanden in Maasvlakte Block3 (fast baugleich zu GKM, Block9) mit massiver staatlicher Förderung angegangen. Es spricht auch nichts dagegen, wenn auf dem Gelände des GKM Flusswasserwärmepumpen installiert würden, die dann arbeiten, wenn genügend Strom im Netz wäre. Nach den schlechten Erfahrungen in Landau und in Südbaden scheidet meines Erachtens die Geothermie aus. Die Lösung liegt in einem technisch klugen und preisgünstigen Mix, der gleichzeitig eine Perspektive für GKM-Beschäftigte bietet. Also müsste das Motto lauten: Umbau statt Stilllegung!

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/2AVuBLc