Leserbrief

Umstrittenes „Feindesland“

Zum Thema: Gedenkstätte auf dem Schriesheimer Friedhof

Das Wort „Feindesland“ entspricht nicht mehr den heutigen Gegebenheiten. Ich neige dazu, die Inschrift aber zu belassen, damit den nachfolgenden Generationen der Geist des damaligen Denkens vor Augen geführt wird. Aber es ist dringend notwendig (ähnlich wie im MM vor wenigen Tagen dargestellt), eine zusätzliche Tafel anzubringen, aus der der Wandel in der Gesinnung hervorgeht. Fast muss ich etwas beschämt sagen, warum sind wir nicht schon vor Jahren auf die Idee gekommen, den Wandel in der Gesinnung zu dokumentieren?

Ich begrüße den Vorstoß von Frau Thiele, den Text der Bronzeplatte auf dem Gedenkstein zu überdenken. Auch mich stört schon länger das Wort Feindesland und auch ich habe mir die Frage gestellt, wie diese Formulierung auf einen ausländischen Besucher im Jahr 2020 wohl wirkt. Nämlich: Du, Besucher kommst vielleicht aus einem Land der Feinde. Dabei erinnere ich mich an einen Rundgang vor einigen Jahren in Tulle mit ihren zahlreichen Gedenktafeln an Mauern und Häuserwänden, auf denen an die dortigen unsäglichen Untaten und Verbrechen von SS-Einheiten im 2. Weltkrieg erinnert und auf denen von les hordes allemandes gesprochen wird. Auch ich, ein Deutscher der Nachkriegsgeneration, assoziiert mit Horden, Banden kein gutes Gefühl. In Lyon hat man etwa mit „Getötet von les nazis“ auf den Erinnerungstafeln für die Résistanceopfer eine andere, weniger offensive Sprachregelung gefunden. Auf der Suche nach einem auch gangbaren Kompromiss zwischen dem Geist der Zeit, in der das hiesige Mahnmal auf dem Schriesheimer Friedhof errichtet worden ist (siehe: ehrend, Söhne) und der Gegenwart eines vereinten Europas schlage ich folgende Formulierungen vor: Zum ehrenden Gedächtnis der in fremder Erde / in ferner Erde / fern der Heimat ruhenden Söhne.