Leserbrief

Unehrlich, angreifbar und scheinheilig

Zum Leserbrief „Ernsthaft diskutieren“ vom 11. Mai:

Dieser Leserbrief kann unmöglich unerwidert bleiben. Wäre dem nicht so, bedeutete das so etwas wie ein Schlag ins Gesicht eines jeden der Missbrauchten. Der Skandal an dieser übelriechenden Mixtur, bei der es übrigens nicht nur um männliche Kinder und Jugendliche, sondern auch um weibliche Opfer geht, ist doch der: Wenn es diesem so wunderbaren ehemaligen Papst nicht gelingt, die Übel anzuerkennen und die Übeltäter ihren gerechten Strafen zuzuführen, dann ist er unehrlich, scheinheilig und überaus angreifbar. Und seine „Diagnosen“, seine Aussagen und Handlungen damit auch.

Das weinerliche „Mit-dem-Finger-Zeigen“ auf andere „böse Mächte“ wie zum Beispiel den „Zeitgeist“, bringt weder den Missbrauchten noch seiner katholischen Kirche Wiedergutmachung und vielleicht sogar Heilung. Von der Verhinderung zukünftiger Vergehen einmal ganz abgesehen.

Eine Institution, die zu ihren Kernthesen die moralische „Lufthoheit“ seit jeher machtvoll beansprucht, macht sich absolut unglaubwürdig und verliert diesen Anspruch, wenn es ihr nicht einmal gelingt, in ihren eigenen Reihen ihren eigenen Ansprüchen zu genügen. Nach meinem Dafürhalten kann es auf diesem Hintergrund so etwas wie eine „ernsthafte Diskussion“ überhaupt nicht geben. Es geht um Vergehen, ja um Verbrechen – und die sind aufzuklären. Und es geht für Millionen von Gläubigen um Vertrauen in die Institution „Katholische Kirche“. Von Jürgen Schneider, Bad Friedrichshall

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2JjFOsd