Leserbrief

Unerträglich und schmerzhaft

Zum Artikel „Tag, um über die Hoffnungen der Menschheit nachzudenken“ vom 8. Mai und dem Leserbrief von Thomas Proft vom 2. Juni:

„Politische Heuchelei haben wir doch alle schon genug“. Wenn man sich die Biografie von Esther Bejarano durchliest, kann man es kaum fassen, dass ein einzelner Mensch so viel Leid ertragen und vor allem überleben konnte. Mit bald 96 Jahren ist sie eine der wenigen Zeitzeugen und Überlebenden dieser grauenvollen Nazi-Zeit.

Ich kann es vollkommen nachempfinden, dass es für sie mehr als unerträglich und schmerzhaft sein muss, heute wieder an so vielen Stellen so viele Naziparolen hören zu müssen. Wenn heute wieder Menschen durch Straßen gejagt werden und Todeslisten existieren. Sie fordert die Politik auf, den 8. Mai als Gedenk-/Feiertag einzurichten. Wie auch Herr Proft in seinem Leserbrief, frage ich mich – wie sicher Tausende andere auch: Warum wird das nicht umgesetzt?

Immer wieder heißt es vonseiten der Politik „Wir dürfen nicht vergessen!“. Immer wieder wird vor rechten Parolen gewarnt, immer wieder werden die Bürger davor gewarnt, sich – und wenn auch nur durch Unwissenheit oder Ignoranz – auf die Seite der AfD oder sonstiger rechten Extremisten zu schlagen.

Und wenn es darum geht, den Tag der Niederschlagung des NS-Regimes zum dauerhaften Gedenktag zu machen, ist das Gros vieler Politiker dagegen? Wie soll das bitte verstanden werden? Wo geht hier der Aufschrei durch die Bevölkerung? Wo wird demonstriert und protestiert? Was soll der Bürger von solch einem heuchlerischen politischen und menschlichen Verhalten halten?

Von Lippenbekenntnissen der Politiker haben die meisten Bürger und Wähler nun langsam wirklich genug. Wenn ich die derzeitigen in meinen Augen völlig unvernünftigen und fahrlässigen Demonstrationen gegen die aktuellen „Einschränkungen der Freiheitsrechte“ in Corona-Zeiten verfolge, kann ich persönlich nur den Kopf schütteln. Was wissen die, die so derart massiv protestieren, von wirklichen „Einschränkungen der Freiheitsrechte“? Sie alle sollten sich mit Esther Bejarano unterhalten. Ich bin sicher, dass viele von ihnen sich nach diesen Unterhaltungen ganz anders fühlen würden, sich vielleicht sogar schämen würden für ihre Aktionen.

Die im Bundestag beschlossene Entscheidung, keinen Gedenktag einzurichten, sollte unbedingt revidiert werden. Esther Bejarano sollte von unserer Politik und, wie ich meine, auch von unseren Kirchen unterstützt werden. (von Raquel Rempp, Schwetzingen)

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/37zWFQO und https://bit.ly/37uoIAQ

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