Leserbrief

Zum Thema Bundesgartenschau

Unrealistische Visionen

Es war im Stadthaus eine Infoveranstaltung der Stadt Mannheim zur Buga. Gespannt nahm ich Platz, um den Ausführungen der jeweiligen Referenten zu lauschen. Einer nach dem anderen erklärte dem interessierten Publikum die Hintergründe und Absichten zur Buga vonseiten der Stadt. Da es eine Infoveranstaltung war, gab es wenig Diskussionen. Soweit auch alles normal. Doch dann geschah es!

Der Auftritt des Niederländers Winy Maas, seines Zeichens Architekt. Mann, war der gut. In einer leise anklingenden, dramatisch ansteigenden Powerpoint-Präsentation gelang es ihm, mir seine Vision einer Buga-Entwicklung in Mannheim näher zu bringen. So entstanden in sekundenschnelle aus mir bekannten trostlosen Ecken Mannheims blühende, bunte Landschaften mit zufriedenen Menschen in Lavendelfeldern (oder so ähnlich).

Ein Bild jagte das andere, und nach fünf Minuten war mir klar, dass meine erziehungsbedingte Spießigkeit in puncto monetäre Einwände gegenüber der Buga Mannheims glorreiche Zukunft in Gefahr bringt. Mit Mühe konnte ich mich beherrschen, um nicht am Ende jubelnd aufzuspringen. Ich muss gestehen, ich mag diesen Holländer. Toller Typ mit irren, aber coolen Ideen! So getragen vom Enthusiasmus dieses Mannes nagten echte Zweifel an meinem teilweisen Widerstand in Bezug auf die Buga. Nun will es aber das Schicksal, dass mein Nachhauseweg zu Fuß stattfand. Vom Stadthaus N1 ging es über den Paradeplatz. Schön sieht er aus, ein echtes Schmuckstück. Dann ging es in die Breite Straße. Spontan schossen mir die damaligen Planungsbilder in den Kopf. Eine schmucke, breite Straße sollte es nach dem Willen der Planer und Zeichner werden. Eine Einkaufsallee mit Bäumen und Bänken zum Verweilen. Passanten treffen sich dort und plaudern, wandeln auf feinsten Trittsteinen. Harmonie, wohin man sieht. Und was muss ich sehen. Feinster Straßenbelag, übersät mit Abfall und Kaugummiresten. Die Bänke dienen als Ablagestellen für Verpackungsmüll der Einzelhändler, bereit zur Abholung.

Schnell laufe ich weiter. Ah, da ist ja mein Lieblingsbau in Mannheim. Architektonisch sehr gelungen. Ohne Graffiti an den Wänden (wie machen die das ? ). Und davor. Vier schmucke Bäume, eingefasst von ca. 1,5 Quadratmeter Grünfläche. Grünfläche ? Eher Hundeklo, Dreckeimer und dem samenbildenden Gras zu urteilen schon einige Zeit nicht mehr gepflegt.

Langsam kommen mir Zweifel. Wie soll eine Stadt wie Mannheim es schaffen, einen Grünzug durch Mannheim über Jahrzehnte sauber zu halten, wenn man hier bei sechs Quadratmetern Schwierigkeiten hat . . . und hier . . . und da . . . Schade, das manche Visionen im Kopf nur einen Fußweg von zwei Kilometern halten. Aber schön war sie, die Powerpoint-Präsentation. Hartelijk bedankt, Herr Maas.