Leserbrief

Unternehmen müssen eigene Parkflächen schaffen

Zum Kommentar „Kontrollen weiter nötig“ vom 22. Februar:

Bei dieser Erfolgsmeldung wird einmal mehr nicht zwischen der Ursache und der Auswirkung unterschieden. Es sind eben gerade nicht die Fahrer des Verteilzentrums in Mannheim-Friedrichsfeld, die willkürlich das Chaos verursachen und die Anwohner belästigen, sondern es handelt sich um einen Fehler im System.

Plane ich als Privatperson, ein Haus oder anderes Gebäude zu bauen, muss ich Stellplätze oder Garagen nachweisen. Das Verteilzentrum musste das offensichtlich nicht und keine genehmigende oder dafür zuständige Behörde hat danach gefragt oder rechtlich überhaupt danach fragen können.

Lkw als Lager missbraucht

Seit Jahren loben die Wirtschaftswissenschaftler das neoliberale „Just in time“-System, das es den Firmen ermöglicht, keine Lagerflächen – oder wie in diesem Fall keine Parkflächen – bereithalten zu müssen. Die Güter rollen eben – äußerst klimaschonend und schadstoffarm? – auf den Straßen, bis sie gebraucht werden, oder stellen durch die als mobile Lager missbrauchten Lastwagen die Parkplätze der Autobahnen zu oder wie in Friedrichsfeld die Straßen in der Umgebung.

Der Steuerzahler darf das am Ende ausbügeln, wenn es gilt, die abgenutzten Straßen wieder zu erneuern oder neue, noch größere Parkplätze mit mehr Kapazitäten auszuweisen. Der Redakteur Bernhard Zinke hat völlig Recht, wenn er befürchtet, dass sich das Problem nur verlagert, wenn man solche Unternehmen nicht zwingen kann, eigene Abstellflächen für ihre Fahrzeuge auszuweisen.

Firmen, die in Niedrigsteuerparadiesen ihr Geld versteuern, aber die Gewinne in diesem Land machen und die Probleme im selben Land dann wiederum auflaufen lassen – ist das nicht einer dieser neoliberalen Auswüchse, den Pfarrerin Ilka Sobottke in ihrem kürzlich erschienenen Text anprangerte, für den sie danach aber zu einem Kotau gezwungen wurde?

Trägt jeder eine Mitschuld?

Nicht zustimmen allerdings kann ich Herrn Zinkes Satz: „Daran trägt jeder Mitschuld, der per Mausklick einkaufen geht.“ Denn meiner Ansicht nach stellt sich die Lage so dar: Ein Wagen des Verteilzentrums beliefert mehr Kunden abgasfreundlicher, als wenn jeder von denen mit dem eigenen Fahrzeug zum Einkaufen fahren würde. Oder spukt in dieser Argumentation wieder der Gedanke herum, dass dies alles mit öffentlichem Nahverkehr machbar sein sollte?

Nein, für eine ordentliche Parkdisziplin der Lieferfahrzeuge hilft nur eines: Die Unternehmen müssen genügend eigene Parkflächen ausweisen und dürfen ihre Fahrzeuge nicht einfach so im öffentlichen Raum abstellen.

Rolf Menz, Wilhelmsfeld

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2GSXTfi