Leserbrief

Unverständnis für Gegner von Güterzügen

Zum Artikel „Schlimmste Befürchtungen“ vom 16. Februar:

Schlimmste Befürchtungen werden geäußert in Bezug auf die Trassenführung der Neubaustrecke Frankfurt – Mannheim. Diesmal, weil sie in die Bestandsstrecken der Stadt einmünden soll. Es ist noch nicht lange her, da war der Aufschrei groß, da die Trasse an der Stadt vorbei führen sollte. Bei allem Verständnis für die Anlieger, welche mehr Lärm befürchten: Es wäre für die Politik schon angemessen, etwas globaler zu denken.

Folgekosten im Blick haben

Um 150 Züge mehr am Tag auszulasten, muss Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagert werden. Ein Güterzug hat rund 1600 Tonnen. Er kann damit 40 schwere Lkw ersetzen. Fahren die 150 Züge nicht, werden stattdessen 6000 Lkw über die A 6 Richtung Süden fahren. Vorbei an den Wohngebieten von Feudenheim, Seckenheim, Wallstadt, Ilvesheim, Rheinau. Mit 6000 Dieselmotoren und deren Abgasen auf 60 000 Reifen mit entsprechendem Abrieb.

Die Politik muss das berücksichtigen, auch wenn es nicht für jeden Einzelnen zum Vorteil sein kann. Dieser Aspekt kommt in der Diskussion zu kurz. Natürlich sagt niemand, dass er Züge verhindern will. Lärmschutz ist bei jeder Ausbaumaßnahme selbstverständlich, aber wer einen Tunnel fordert, sollte auch die Folgekosten im Blick haben. Wir sind kaum in der Lage, die Infrastruktur zu unterhalten, die im letzten Jahrhundert gebaut wurde. Letztlich bedeuten die Einwände nur Verzögerungen und so lange rollen die Lkw. (Christian Mangold, Mannheim)

Man erinnert sich: Im Rahmen des Ausbaus der Bahnstrecke Rotterdam – Genua sollte ein Bypass Mannheim entlang der A 61 realisiert werden. Ein neuer ICE-Bahnhof sollte am Neckar entstehen, dort, wo sich die Strecke mit der S-Bahn Linie S 1 gekreuzt hätte. Solche neuen Bahnhöfe für den TGV auf der grünen Wiese mit guter Verkehrsinfrastruktur sind in Frankreich bereits gang und gäbe.

Heftig hat sich Mannheim damals gegen einen Bypass Mannheim gewehrt. Es war die Forderung an die Bahn, dass alle ICEs durch Mannheim geleitet werden. Auch alle Güterzüge sollten durch Mannheim fahren, damit der Güterbahnhof Mannheim nicht abgehängt wird und nicht an Bedeutung als Warenumschlagsplatz verliert. Jetzt, wo klar ist, dass nach dem Ausbau der Riedbahn mehr als 200 Güterzüge nachts durch Mannheim geleitet werden, schreien besonders die Bewohner an der Riedbahn auf! Nach dem Floriansprinzip sollen doch bitteschön die Züge woanders fahren. Doch wo? Dem derzeitigen OB Kurz wird nun vorgeworfen, dass er sich nicht ausreichend um eine sehr teure Tunnellösung oder nun doch Bypass kümmert. Was will Mannheim nun eigentlich? Bypass oder Betrieb über die Ried? (Wilhelm Weinz, Viernheim)

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/2SwhvXY