Leserbrief

Ursachen und Verursacher

Zum Kommentar „Unmenschlich“ vom 20. Juni:

Mit seinem Kommentar „Unmenschlich“ trifft Herr Kolhoff ins Schwarze. Seinen Ausführungen ist in vollem Umfang zuzustimmen. Allerdings das Problem auf mangelnde Menschlichkeit zu reduzieren, ist falsch und beschreibt es nur unvollständig. 70 bis 100 Millionen Menschen auf der Flucht oder in der Migration weltweit überfordert alle aufnahmebereiten Menschen in allen Kontinenten und Staaten dieser Welt. Was mich irritiert ist: Warum werden nicht mit derselben Vehemenz, mit der zu Recht immer wieder Menschlichkeit eingefordert wird, die Verursacher von Flucht und Migration immer wieder benannt und angeprangert, die mit ihren wirtschaftlichen und politischen Verhaltensweisen Auslöser von Flucht und Migration sind?

Ermahnung vermisst

Kriege und wirtschaftliche Perspektivlosigkeit entstehen nicht aus einem Nichts heraus. Sie haben Ursachen und somit auch Verursacher. Nicht nur in der Aufforderung zu Humanität, auch in der Auf- und Einforderung, andere wirtschaftliche und politische Entscheidungen zu treffen, gilt es jeden Tag, dicke Bretter zu bohren. Diese ständige Ermahnung an die politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen vermisse ich in der Presse. Das Auslassen dieser Mahnungen und das ständige Beklagen von fehlender Menschlichkeit – beispielsweise in unserem Land – erzeugt unter anderem „Wutbürger“, die mit ihrer mangelnden Menschlichkeit ständig als defizitär geschildert werden und drängt sie als Wähler in eine bestimmte politische Richtung.

Rolf Menz, Wilhelmsfeld

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