Leserbrief

Urteile gleichermaßen bewerten

Zum Kommentar „Skandal-Urteil“ vom 21. September:

Dieser Kommentar ist so gut, dass mir dazu nicht mehr so viel einfällt und ich auch mich nicht inhaltlich so treffend äußern kann. Ich möchte nur sagen: Man kann Renate Künast mögen oder nicht, aber ich kann nicht verstehen, dass jeder – und hier besonders Reante Künast – so einen Dreck über sich ergehen lassen muss, und das sollte rechtens sein? Richter und Gerichte sollen unabhängig bleiben. Ich frage mich nur, ob auch Richter sich das alles so gefallen lassen würden, wenn anonyme Leute über andere Menschen beziehungsweise Richter eine solche Jauche ausgegossen wird, und das rechtens sein soll.

Tägliche Bedrohungen

Eines zeigt mir den Zustand der Gesellschaft ganz klar: Es wird beleidigt, bedroht, gedroht und es vergeht kein Tag, in dem man derartiges in der Zeitung liest, und mir mehr als einmal übel geworden ist. Man hat das Gefühl, bei vielen Leuten ist jeder Anstand und jede Grenze, andere Menschen zu beleidigen und verbal in den Dreck zu treten, aufgehoben! Denen kommt ein solches Gerichtsurteil ja wie gerufen. Persönlich gesprochen, dieses Urteil gegen eine Frau hat mein Vertrauen in die Justiz nicht eben vergrößert. Wenn es denn schon der AfD zuviel ist und gefragt wird, was ist mit den Gerichten los? Ja, das frage ich mich auch.

Petra Stacha, Mannheim

Herr Serif hat jetzt wieder voll daneben gehauen! Er empört sich – und will die Leser aufbringen gegen die Justiz, weil diese sich an das Grundgesetz hält. Ja, es ist schwer, unqualifizierbare Beschimpfungen zu ertragen. Ich als Privatperson wäre sicher geschützt, aber bei Politikern ist es anders: Wer das nicht aushält, sollte sich aus der Politik heraushalten.

Besonders unklug ist, provokante Aussagen zu machen, die das Moralempfinden auch von „normalen” Menschen stören. Wer provoziert, muss auch einstecken können.

Vor einiger Zeit ging Alice Weidel (AfD) vor Gericht in einem ähnlichen Fall. Sie ist auch gescheitert, musste die Beschimpfung „Nazischlampe” auf sich sitzenlassen. Hätte das Gericht jetzt anders geurteilt, weil es um eine linke Politikerin geht, – das wäre ein veritabler Justizskandal geworden.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2meKVjc