Leserbrief

USA in Sachen Welteroberung voll auf Kurs

Zum Artikel „Deutschland legt bei Geld für Nato nach“ vom 28. Mai:

Betrachtet man die „Liste der Militäroperationen der Vereinigten Staaten“ stellt man fest, dass die USA ein sehr kriegerisches Volk sind, dessen Identität deutlich von einem Eroberungsgen bestimmt ist. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass den USA ihr „neuer“ Kontinent zu eng wurde und sie den Sprung zurück nach Europa wagten, um mit dem Eintritt in den Ersten Weltkrieg zielgerichtet den Marsch an die Spitze der Welt anzutreten. Der Marsch geriet zum Durchmarsch, wie die militärischen Meilensteine zeigen.

1917 Erster Weltkrieg, 1941 Zweiter Weltkrieg, 1949 Gründung der Nato. Die Nato ist der militärische Zusammenschluss der Staaten Westeuropas unter Führung der USA. Ein genialer Schachzug, mit dem die Zugehörigkeit Westeuropas zu den USA festgeschrieben wurde. Bemerkenswert ist, dass der Aufstieg der USA nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich begründet war. Das Abkommen von Bretton Woods 1944, an dem 44 Staaten beteiligt waren, war die Grundsteinlegung für die Weltwirtschaftsmacht USA.

Der Dollar, gebunden an den Goldstandard, wurde zur Weltleitwährung. Doch Anfang der 1970er Jahre trennt sich die USA (mangels Gold) vom Goldstandard. Der US-Dollar stützt sich von nun an auf die Erdölvorräte in dieser Welt, zunächst auf die von Saudi-Arabien, das seine Ölgeschäfte in US-Dollar abwickelt.

Abgebrochener Riese

Etwa 100 Jahre nach dem Eintritt in den Ersten Weltkrieg hatten die USA ihr Ziel, Weltmacht Nummer eins zu sein, erreicht. Doch dieses Glück währte nicht lang. Die Haushaltskasse der USA war ziemlich „klamm“. Im November 2017 betrug die Staatsverschuldung insgesamt 20,5 Billionen US-Dollar oder 106 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Dollardrucken hat eben auch Nachteile. Überdies zeigte die US-Welthandelsagentur Schwächen.

Einige Ölländer, teilweise massiv unter US-Sanktionen leidend, versuch(t)en, dem US-Joch, mit Dollar handeln zu müssen, zu entkommen. Um ihren Sanktionen Durchsetzungskraft zu verleihen, bedrohen die USA ihre Verbündeten ebenfalls massiv mit Sanktionen, wie im Fall Iran deutlich wird. Sollte es ein Ölland nun fertig bringen, seinen Handel in anderen Währungen abzuwickeln, zum Beispiel Euro oder Gold, dann würde die US-Welthandelsagentur funktionslos und der US-Dollar als Weltleitwährung infrage gestellt. Die USA kämen mit ihrem wirtschaftlichen Standbein ins Straucheln und könnten zum abgebrochenen Riesen geraten.

Der Iran, gesegnet mit Erdöl, möchte sein Öl in Euro verkaufen. Bush Junior ordnete den Iran den Schurkenstaaten zu, das heißt, der Iran ist seit langem im Fadenkreuz der USA. Trump schließt sich nun mit seinen Iran-Ambitionen nahtlos an seinen Vorvorgänger Bush an. Somit ist die USA in Sachen „Welteroberung“ wieder voll auf Kurs. Ein kleiner Feldzug könnte zudem auch etwas zur US-Haushaltssanierung beitragen, oder? Eben. America first!

Generell lässt sich sagen: Wenn’s ums Öl geht, USA! Öl, die Seele des US-Dollar. Doch der Ölbehälter hat ein Leck bekommen. Die Seele tropft. (Martin Lietz, Sinsheim)

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2ETykbe

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