Leserbrief

Utopische Vorschläge

Zum Debattenbeitrag „Kann eine Weltregierung eine neue Chance für die Menschheit sein, Frau Zech?“ vom 29. Dezember:

In einem fiktiven Raumflug beobachtet Frau Zech eine kleine Welt, wie sie Alexander Gerst und andere live gesehen und kommentiert haben und erkennt, dass diese kleine Welt „top-down“ oder „bottom-up“ verbessert werden sollte.

Hierzu macht sie „top-down“-Strukturvorschläge, die, denkt man an die Effizienz der Vereinten Nationen, allerdings absolut utopisch sind und bestenfalls zu dem fiktiven Raumflug passen. Leider sind die „bottom-up“-Aktivitäten der großen Hilfsorganisationen trotz ihrer punktuellen Erfolge bisher auch nicht geeignet, die Welt in großem Stil zu verbessern.

Vielleicht liegt der Misserfolg beider Wege daran, dass Frau Zech nur „top“ und jede Hilfsorganisation nur „bottom“ ansetzt. Erfolgreicher könnte eine Aktion sein, die „top“ mit „bottom“ verbindet, indem zum Beispiel die Eigentümer großer Aktiengesellschaften auf einen Teil ihrer Dividende verzichten und die so erzielten Summen zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen in wirtschaftlich unterentwickelten Regionen genutzt werden. Diese Transferzahlungen können nur von den Aktionären geleistet werden, nie jedoch vom Management; das ist dem ökonomischen Prinzip verpflichtet und muss bei Nichterreichung der wirtschaftlichen Ziele mit seiner Entlassung rechnen. von Elmar Weigel, Ludwigshafen

Die Vision einer „Weltregierung“ wie sie Frau Zech vorträgt, erscheint doch sehr „weltfremd“, zumindest wie wir die Bewohner dieser Erde kennen. Was müsste sich alles ändern? Zuerst wären die Religionen abzuschaffen, denn Selbige waren und sind nicht die Stifter von Frieden und Völkerverständigung. Zum Zweiten die ungebremste Vermehrung, wie wir sie heute insbesondere in den armen Ländern Afrikas und Asiens haben.

Allein diese beiden Grundrechte den Menschen zu nehmen, damit die unterschiedlichsten Kulturen/Völker unter einer Weltregierung geführt werden können und dieser Planet nicht aus allen Nähten platzt, erscheint unwahrscheinlich. Die wahrscheinlichere Variante ist wohl die Verwirklichung des orwellschen Romans „1984“, möglicherweise 100 Jahre später. Die großen Datensammler wie Google & Co. sind hier auf bestem Wege.

Es ist die Rede von den Zugvögeln, die frei ihre Bahnen über die Kontinente ziehen können. Richtig, aber sie fliegen einige Wochen später wieder dorthin zurück, wo sie herkamen. Frau Zech nennt als Migrationsziel, „dass jeder seine Heimat verlassen darf, um sich niederzulassen wo er möchte“. Man muss sich das in der Praxis nur vorstellen. Völker bemühen sich nicht mehr, dass es in ihrem Heimatland lebenswert wird und eine Zukunft für die Kinder gibt. Der große Exodus bricht los und alle Länder, die sich einen gewissen Wohlstand und Lebensqualität erarbeitet haben, werden von Armutsvölkern überrannt.

Sie fliegen nicht zurück wie die Zugvögel nach ein paar Wochen, sie bleiben, bis aus dem Wohlstand vielleicht ein Notstand wird. Menschen und ihre Kulturen sind zu unterschiedlich, als dass sie unter einem Dach leben oder gar von einer Weltregierung geführt werden könnten. Frau Zech, Ihre Vision ist wohl eher ein Alptraum. von Peter Krebs, Mannheim

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2R8n7M4