Leserbrief

Vegetarisch und vegan ist gesund

Zum Artikel „Vegan ernährte Kinder sind zu klein für ihr Alter“ vom 20.4.:

Die Überschrift des Artikels ist leider ausgesprochen tendenziös gewählt und verfälscht den Inhalt. Liest man den Artikel, stellt man fest, dass erstens die zitierte Studie zu dem Ergebnis kommt, 90 Prozent der vegan ernährten Kinder seien in Gewicht und Größe völlig normal, was die Überschrift in der Kernaussage völlig ad absurdum führt, und zweitens bei den mit Mischkost ernährten Kindern festgestellt wurde, dass drei Prozent übergewichtig seien.

Die Kinder in der Studie waren maximal drei Jahre alt und drei Prozent waren bereits übergewichtig. Immer mehr Studien zeigen dagegen, dass der Wechsel zu einer veganen Ernährung einen wesentlichen Beitrag gegen Adipositas leisten kann. Hierbei handelt sich um eine wirklich ernstzunehmende Erkrankung. Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören zu den häufigsten Todesursachen in Industrieländern mit westlichem Ernährungsstil. Eine große epidemiologische Studie aus den USA wies nach, dass Personen, die sich vegan ernähren, den geringsten BMI aufweisen.

Für alle Lebensabschnitte

Eine überwältigende Anzahl von Studien zeigt, dass eine ausgewogene, pflanzenbasierte Ernährung die gesündeste ist und die „western diet“, also die tägliche Ernährung mit Tierprodukten, mit gravierenden gesundheitlichen Risiken verbunden ist. Aufgrund der sich immer eindeutiger abzeichnenden, nicht mehr wegzudiskutierenden Datenlage empfehlen die führenden Ernährungsorganisationen der Welt eine vegetarische beziehungsweise vegane Ernährungsweise.

Die größte Ernährungsorganisation der Welt, die US-amerikanische Academy of Nutrition an Dietetics (A.N.D.), bezieht klar Stellung: „Es ist die Position der A.N.D., dass gut geplante vegetarische Ernährungsformen, inklusive der veganen, gesund und ernährungsphysiologisch angemessen sind sowie gesundheitliche Vorteile bei der Prävention und Behandlung bestimmter Krankheiten haben können.“ Entsprechende Ernährungsformen sind, so die klare Aussage der A.N.D., für alle Lebensabschnitte und Lebensweisen geeignet, inklusive Schwangerschaft, Stillzeit, Säuglingsalter, Kindheit, Jugend und Alter sowie für Athletinnen und Athleten.

Keine objektive Empfehlung

Die A.N.D betont, dass gerade bei chronischen Erkrankungen eine vegetarische Ernährung gesundheitlich sinnvoll und wirksam sein kann. Die A.N.D. zieht auch für die vegetarische Ernährung von Kindern ein positives Resümee: „Eine ausgewogene vegetarische Ernährung von Kindesbeinen an kann den Grundstein für lebenslange gesunde Gewohnheiten legen.“ Zu den gleichen Ergebnissen und Empfehlungen kommen auch die Dietitians of Canada, die Dietitians Association of Australia, der National Health and Medical Research Council der australischen Regierung sowie die weltweite größte Vereinigung von Kinderärzten, die American Academy of Pediatrics.

Lediglich die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) tanzt hier noch aus der Reihe. Schaut man sich die Zusammensetzung der Beiräte der DGE jedoch einmal näher an, stellt man fest, dass diese massiv mit der Milch- und Tierwirtschaft vernetzt sind. Eine objektive Empfehlung ist von dieser Seite also nicht zu erwarten. Aber selbst die DGE muss inzwischen unter dem allgemeinen Druck zugeben, dass es mit einer guten Planung und der dauerhaften, ausreichenden Supplementierung mit Vitamin B12 (mit dem jedoch auch Mischköstler oft unterversorgt sind) absolut möglich ist, sich gesund vegan zu ernähren (Apotheken-Umschau 07.2017). So sehen die Fakten aus und diese sollten im Interesse der Gesundheit der Menschen objektiv dargestellt werden.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2HYWuSh