Leserbrief

Ventil ist nicht mehr zu schließen

Zum Thema Flüchlinge:

Im Herzen der Finsternis. In der EU bemüht man sich, im Norden von Afrika unüberwindliche Hindernisse zu schaffen, die den Ansturm von Hunderttausenden von Schwarzafrikanern aufhalten sollen. Doch diese Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Es sitzen bereits Millionen Menschen auf gepackten Koffern, die ihre Zukunft in Europa sehen.

Angetrieben von entsetzlicher Armut und unsicheren politischen Verhältnissen. "Es gibt keine drei Staaten in Afrika, die unseren Vorstellungen von Demokratie und Meinungsfreiheit entsprechen." Die Despoten lassen sich von Industrieländern dafür bezahlen, dass diese ihre Länder fortan ausplündern dürfen. Man kann in Ägypten anfangen, über Somalia und Simbabwe des Herrn Mugabe, bis Südafrika von Herrn Druma. Überall das gleiche Schema.

Unbeschreibliche Armut

Nigeria zum Beispiel schwimmt im Öl, aber die Bevölkerung lebt in unbeschreiblicher Armut. Und wenn Millionenbeträge angewiesen werden, um die Hungersnöte der kleinen Leute zu mindern, so versickern diese auf wenigen Konten, oder werden zu Waffenkäufen für Festigung der Despotie verwendet. Die Praxis der früheren Kolonialherren, die Grenzen der Länder mit dem Lineal zu ziehen und dabei Ethnien zu trennen, wirkt sich noch heute fatal aus.

"Man erzählt uns heute, die Globalisierung bedeutet Fortschritt, Erziehung, Wohlstand und wirtschaftliche Modernisierung. Das ist nur die halbe Wahrheit.

Gleichzeitig beschert sie der ,Dritten Welt' gesellschaftliche und politische Zerrüttung, die Vernichtung der kulturellen Grundwerte, den Ruin ihrer unterlegenen Industrie und Landwirtschaft." Zwei Zitate aus dem Buch "Afrikanische Totenklage" von Peter Scholl-Latour, der 50 Jahre als Korrespondent aus Afrika berichtet hat.

Wie ein Sog auf Afrika

Denn diese moderne "Völkerwanderung" ist nicht durch Zäune oder sonstige Gewalt aufzuhalten. Durch die sich steigernde Bevölkerungsexplosion hat sich ein Ventil geöffnet, das im Grunde nicht mehr zu schließen ist.

Im Gegenzug verringert sich die Bevölkerung in Europa - demografisch gesehen - und wirkt wie ein Sog auf alle Menschen in Afrika, die dort keine Zukunft sehen. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusehen, dass in Europa 2100, eine ethnische Durchmischung, auch Nivellierung, zwangsläufig eingetreten ist, die wir heute nur erahnen können.