Leserbrief

Verantwortung wegschieben

Zum Artikel "Politiker für neues G9-Angebot" vom 27. Oktober:

Ich verfolge mit einigem Kopfschütteln die ausgiebige Diskussion um den Rückzug des Mannheimer Karl-Friedrich-Gymnasiums (KFG) aus G9. Als Elternteil, der die damalige Einführung des G8 - im Übrigen auch mit dem KFG als Vorreiter - unmittelbar miterlebt hat, relativiert meine eigene Erfahrung die derzeitige Aufregung.

Zu behaupten, G8 sei einfach gewesen, wäre sicherlich gelogen. Unterstützung, ja richtige Zuwendung war durchaus gefordert, wenn es um Hausaufgaben, Lehrstoff, Lernfortschritte ging. Aber unsere Tochter hat am KFG auch in acht Jahren mit Bravour ihr Abitur gemacht. Und ist inzwischen engagierte Studentin. Die Diskussion offenbart aus meiner Sicht das inzwischen weit verbreitete Verhalten, Verantwortung wegzuschieben - gerade in Fragen von Schule, Bildung und Erziehung. Die Aussage der Vertreterin des Gesamtelternbeirats ist dabei entlarvend: "Die Eltern wollen G9." Es geht also nicht um Schüler, Lehrer oder Schule! Und schon ist die elterliche und familiäre Verantwortung für Bildung und Erziehung wieder einer staatlichen Stelle zugeschoben. (Michael Tschugg, Ilvesheim)