Leserbrief

Leserbrief: Zur Berichterstattung örtlicher Bundestagswahlkampf

Verbindung zum Leser?

Zu Wahlkampfzeiten finden zahlreiche Veranstaltungen und Besuche von Kandidaten auch örtlicher Bewerber statt. Da zu vielen Veranstaltungen keine eigenen Pressevertreter entsandt werden, behelfen sich wohl alle politischen Organisationen und Parteien mit Eigenberichten. Mir fällt nun bei beiden örtlichen Presseorganen auf, dass Berichte über Besuche zumindest des Kandidaten für den Bundestag der CDU Alois Gerig in Bad Mergentheim regelmäßig entweder stark gekürzt oder gar nicht gebracht werden.

Ich selbst habe daher in diesem Bundestagswahlkampf nur einen einzigen Bericht persönlich geschrieben. Dieser ist in einem unserer örtlichen Presseorgane gar nicht, im anderen nur stark verkürzt unterzubringen gewesen. Auf Nachfrage, wie auch schon in vergangenen Wahlkämpfen, erfährt man, es gäbe Absprachen, wie oft man über die verschiedenen Kandidaten berichten werde und man wolle ein Gleichgewicht wahren. Besuchen verschiedene Kandidaten nicht in unterschiedlichem Umfang Institutionen der Stadt? Hat der Bürger nicht ein Recht umfassend zu erfahren, wer da war, wo er war, warum er es war und was er dabei hat verlauten lassen? Dass ich, wenn ich den Fehler begehe, mich parteipolitisch zu betätigen dafür ausgelacht werde, damit kann ich leben. Dass man als kleiner örtlicher Vertreter einer der politischen Parteien dieses Landes nicht nur Aktionen planen, organisieren und durchführen, sondern auch darüber schreiben muss, ist auch noch hinnehmbar.

Dass aber diese Artikel am Ende gar nicht gebracht werden, hat mit parteipolitischer Objektivität nicht mehr viel zu tun. Insbesondere lokale Presseorgane sollten sich doch gelegentlich einmal fragen, ob es so gelingen kann, die Verbindung zum örtlichen Leser zu halten. Es ist schon auffällig, dass der Fraktionschef der Grünen im Bundestag Fritz Kuhn den Luxus hatte, dass zu seinem Besuch sogar zwei offizielle Pressevertreter anwesend waren. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Anmerkung der Redaktion: Die FN haben ihre Wahlkampfrichtlinien vorab den Parteien zukommen lassen. Darin wird geklärt, dass von Versammlungsberichten der Kandidaten maximal 40 Druckzeilen veröffentlicht werden. Veranstaltungen mit prominenten Politikern fallen nicht unter diese Regelung, sondern werden nach Möglichkeit von der Redaktion besucht.