Leserbrief

Verwaltung setzt ihre Pläne durch

Zu den Artikeln „Investoren für ,Stadtbaustein’ gesucht“ vom 23. Juli und „Schafweide bleibt weiter strittig“ vom 27. Juni 2018:

Das Konzept ist eine massive Bebauung und Verdichtung von Flächen. Beispiele dafür gibt es in Mannheim genug: Glücksteinquartier, Turley, Franklin, Spinelli, die geplante Erweiterung der Universität am Friedrichspark, die ursprünglich vorgesehene Bebauung am Alten Messplatz und so weiter.

Bekannt ist, dass Mannheim im Hinblick auf Bodenversiegelung den sechsten Rang bei Deutschlands Städten einnimmt. Diesen Platz gilt es zu verteidigen! Man muss keine Fachfrau/Fachmann sein, um nachvollziehen zu können, dass bei der geplanten Bebauung Schafweide wieder einmal „geklotzt“ wird. Schon feststehend geplant ist das sechsstöckige Hochhaus des Südwestrundfunks an einem markanten Punkt des zu bebauenden Areals. Auf dem verbleibenden Grundstück wünscht sich die Stadtverwaltung aktuell einen „neuen Stadtbaustein“ und fordert eine fünfgeschossige Wohnbebauung sowie eine zweigruppige Kindertagesstätte.

Wie dem Plan zur Bebauung im „MM“ vom 23. Juli zu entnehmen ist, schlägt die Stadt eine geschlossene Blockrandbebauung vor, welche das gesamte zu bebauende Grundstück betrifft. Interessant ist in diesem Zusammenhang die identisch geplante Bebauung, welche im „MM“ vom 27. Juni 2018 veröffentlicht wurde. Eine solche Bebauung war damals sehr strittig. Ansonsten gibt es vonseiten der Stadtverwaltung diese weiteren Vorgaben zur Bebauung. Zitat: „Denkbar wäre ein geöffneter oder aufgelöster Blockrand, ebenso wie eine Bebauung im Blockinnenbereich.“ Hauptsache sei eine „hohe Qualität“, was immer das heißt.

Solche großzügigen und wenig einschränkenden Vorgaben kann der zukünftige Investor sicherlich leicht erfüllen. Unter diesen Voraussetzungen wäre mit Sicherheit auch ein höherer Verkaufspreis zu erzielen gewesen. Feststellung: Kaufpreis und mehr als großzügige Vorgaben zu einer massiven baulichen Nutzung stehen fest. Es fehlt nur noch der zukünftige Investor, oder?

Bei der Bebauung Schafweide wurde wohl kein Architektenwettbewerb ausgelobt, sondern es sollen Konzepte – auf Grundlage der städtischen Planung – eingereicht werden. Über diese entscheiden dann die Vertreter der Stadt, zwei Architekten, ein Landschaftsarchitekt und ein Hamburger Projektentwickler.

Bei der geplanten Präsentation der Entwürfe „dürften sich die Anwohner“ – so die Stadtverwaltung – „aus ihrer Perspektive als Vor-Ort-Experten schriftlich äußern“. Wie die Erfahrung zeigt, sind solche Bürgerbeteiligungen und sogenannte Workshops nur eine Farce und ein Aushängeschild der Stadtverwaltung. Die Meinung und das Engagement auch von Bezirksbeiräten der Stadtteile wird immer wieder missachtet, indem die Stadtverwaltung Punkte von der Tagesordnung der Bezirksbeiratssitzungen nimmt oder die Sitzungen kurzfristig verschiebt.

Selbst wenn ein Projekt zum Beispiel wegen Wegfall/Reduzierung von Grünflächen, der Fällung von Bäumen, zu dichter Bebauung und auch der Streichung dringend benötigter Parkplätze, bei Bürgerinnen und Bürgern sowie Bezirksbeiräten sehr umstritten ist, so setzt die Stadtverwaltung in der Regel konsequent ihre ursprünglichen Planungen um. Beispiele für dieses Prozedere gibt es in Mannheim mehr als genug.

Karola Seibel, Mannheim

Zum Thema