Leserbrief

Leserbrief: Zu "Rat stimmt gegen Antrag der Firma Alba" (FN 1. April)

Verwunderliches Abstimmungsverhalten

In der Gemeinderatssitzung vom 30. März standen bei regem Interesse seitens der Bürger die Anträge der Firma Alba zum Sonn- und Feiertagsbetrieb sowie zur Erweiterung der Lagerkapazität auf der Tagesordnung.

Dass nun Bürgerinnen und Bürger, die sich durch den LKW-Verkehr in ihrem Wohngebiet und herumflatternden Müll belästigt fühlen, diesen Unmut artikulieren, ist vollkommen berechtigt und darf nicht weiter verwundern. Verwundern darf auch nicht, dass ein Konzern seine Arbeitsbedingungen an die wirtschaftlichen Erfordernisse anpassen will - wenn auch die scheibchenweise Vorgehensweise nicht gerade vertrauensfördernd wirkt.

Was allerdings verwundert, ist die plötzlich befremdete Haltung mancher Gemeinderäte, nachdem sowohl der Ausweisung des Industriegebietes als auch der Ansiedlung der Firma sowie bereits im Dezember 2008 einer Erhöhung der Produktionskapazität zugestimmt worden war. Dass der Betrieb einer Recyclinganlage mit Emissionen wie Lärm und Schmutz verbunden ist und dass ein Konzern eine optimale Betriebsauslastung anstrebt, war voraussehbar und darf nun wirklich nicht überraschen.

Sich jetzt von der getroffenen Entscheidung mit der Begründung "das habe man ja nicht gewusst" aber wieder zu distanzieren, ist in von der Argumentation her inkonsequent und unlauter. Wenn man sich vor der entscheidenden Abstimmung zur Ansiedlung der Firma Alba vielleicht nicht ausreichend informiert hat und Verträge nicht hinreichend deutlich und einschränkend formuliert wurden - und dieser Eindruck entstand zeitweise -, muss man sich das schon selbst anrechnen.

Auch die Mitglieder der Walldürner Liste sind der Auffassung, dass die Ansiedlung von Industriebetrieben insbesondere in direkter Nachbarschaft zu sensiblen touristischen Schwerpunkten wie dem Weltkulturerbe Limes und den Wallfahrtswegen sowie mit der Beeinträchtigung von Wohngebieten ausgesprochen kritisch zu prüfen und im Genehmigungsfall mit entsprechenden Auflagen versehen werden müssen - sinnvollerweise allerdings im Vorfeld.

Dass aufgetretene Mängel umgehend zu beseitigen und Gesetzesverstöße zu ahnden sind, ist selbstverständlich. Und noch eins hat die Sitzung für uns erwartungsgemäß gezeigt: Unsere Bürgerinnen und Bürger sind durchaus an der Gemeindepolitik interessiert und wünschen sich zu Recht Gehör. Es wäre gut, ihnen dieses mehr als in der nur etwa vierteljährlichen Bürgerfragestunde einzuräumen und sie bei wichtigen Entscheidungen frühzeitig einzubinden.