Leserbrief

Von Gewohntem zu Anderem

Zum Geistlichen Wort „Vorsicht, Übergang!“ vom 13. Juli:

Beim Lesen des „Geistlichen Wortes“ von Axel Müller im „Mannheimer Morgen“ kam mir unwillkürlich Hannes Wader in den Sinn. In seinem Lied „Heute hier, morgen dort...“ singt er „...und was neu ist, wird alt...“ Diese Gedanken könnten den katholischen Schuldekan aus Heidelberg/Weinheim auch bewegt haben, wenn er eingangs seines Textes aus der Klage des Kohelet zitiert.

Am meisten faszinierte mich der Hinweis, dass „religio“ auch Rückbindung und Festmachen heißt. Wenig später kommt er allerdings zum Punkt mit „Siehe, ich mache alles neu!“ (Apk 21, 4 - 5). Hier fordert er Mut ein gegen Populismus und Mainstream, ruft mit Emanuel Kant auf, sich des eigenen Verstandes zu bedienen. Als gebürtigem Ludwigshafener fällt dazu das „Prinzip Hoffnung“ von Ernst Bloch ein.

Klug formulierter Text

Wie Dekan Müller, so verstehe ich Kirche und Glauben ebenfalls. Die Bibel gibt den Leitfaden, in den Liedern und Gebeten während eines Gottesdienstes werden die Aussagen verdeutlicht und ausgelegt. Gleiches gilt für die Predigt, die Martin Luther sich kurz aber deutlich wünschte. Zum Glauben gehört die Gemeinde, das gemeinsame Gebet und Handeln. Solidarität, wie von den Gewerkschaften und caritativen Verbänden immer gefordert, hat ihre Wurzel in biblischen Texten.

Axel Müller zielt mit seinem klug formulierten Text auf die Pflicht, Bestehendes immer wieder zu überprüfen und an die Gegebenheiten anzupassen. Sein Schlusssatz fasst dies wunderbar zusammen „Und ,Auferstehung’ gar – was kann das Anderes sein als die Chiffre für den Übergang vom Gewohnten ins schlechthin Andere?“ Günther Hummrich, Ludwigshafen

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2YTZQgS