Leserbrief

Vorwürfe vom hohen Ross herab

Zum Kommentar „Schlechte Verlierer“ vom 29. August:

Alexander Müller wirft vom hohen moralischen Ross herab den Zweitligavereinen Nürnberg, Bochum und Karlsruhe Unfairness und „schäbiges“ Verhalten vor, weil sie – nachdem der Fall bekanntgeworden war – gegen die Wertung ihrer Spiele gegen den HSV Einspruch eingelegt hatten. Darmstadt 98 dagegen wird von Müller „ein feines Gespür für Fairness“ und „echter Sportsgeist“ attestiert, weil der Verein auf einen Einspruch verzichtet hat.

Keine Erwähnung findet die Tatsache, dass Darmstadt 98 in Hamburg völlig überraschend ein 1:1-Unentschieden und damit einen Punktgewinn erzielt hat, während Nürnberg, Bochum und Karlsruhe ihre Spiele gegen den HSV allesamt verloren haben. „Echter Sportsgeist“, schäbiges Verhalten, oder doch nur Eigeninteresse?

Fragwürdiges Rechtsempfinden

Viel bedeutsamer aber ist das fragwürdige Rechts- und Rechtsstaatsempfinden, das aus dem Kommentar von Alexander Müller spricht. Er sagt, „entscheidend ist auf dem Platz“ und alles andere spielt keine Rolle. Dass es Regeln gibt, im Sport wie in der Gesellschaft, an die sich nun einmal auch Asylanten und Migranten zu halten haben, scheint den Kommentator nicht weiter zu kümmern, auch nicht, wenn ein Spieler wie Jatta durch eine mögliche Verschleierung seiner Identität (ob das tatsächlich der Fall ist, bleibt allerdings noch aufzuklären) überhaupt erst einen Aufenthaltsstatus in diesem Land sowie einen DFB-Spielerpass und Profivertrag beim HSV erhalten haben sollte.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2k0qIg4