Leserbrief

Leserbrief Zu „Keine Rolle rückwärts einlegen“ (FN, 9. Mai)

„Wann ist der Mensch ein Mensch?“

Die Worte des Leserbriefschreibers vom 9. Mai sind nicht ganz durchdacht wenn er schreibt, „das Leben beginnt per Definition mit der Geburt“. Was strampelt also im Bauch vor der Geburt?

Jeder Mensch wurde Mensch ab der Befruchtung. Millionen von Zellen entstehen in den ersten vier Wochen des Lebens. Dann sind die ersten Ansätze für die Wirbelbildung zu erkennen. Das Herz pumpt Blut zur Leber und Hauptschlagader.

Nach sechs Wochen ist der Embryo erst 15 Millimeter groß, aber voller Leben. Sein Herz schlägt 140 bis 150 Mal in der Minute. Im zweiten Monat entwickelt sich der Geruchs- und Geschmackssinn. Das entstehende Gehirn verarbeitet erste Impulse. Alle Organe sind vorhanden, sie müssen nur noch wachsen und sich ausformen.

Das Kind kann Arme und Beine bewegen. Die Finger- und Zehenglieder haben sich ausgebildet, auch Gesichtszüge sind schon zu erkennen. In der siebten Woche haben die Auswüchse der Nervenzellen miteinander Verbindung aufgenommen. Die ersten Nervenbahnen bilden sich. Jede Minute entstehen etwa 100 000 neue Nervenzellen. Bis zur Geburt sind es hunderte Milliarden. Wenn noch nicht einmal die Hälfte der Zeit in der Gebärmutter um ist, sind der Körper, das Knochengerüst, die Gliedmaßen und die Organe schon ausgebildet. Deutlich ist jetzt zu erkennen, ob es ein Mädchen oder ein Junge ist. Wann ist also der Mensch ein Mensch? Beziehungsweise: Beginnt das Leben mit der Geburt oder schon viel früher?