Leserbrief

Warum müssen wir für alles zahlen?

Zum Debattenbeitrag „Sind Kunden einfach nur die besseren Arbeitskräfte, Herr Voß?“ vom 10. November:

Herr Voß hat ein komplexes Thema, nämlich, dass Kunden und Konsumenten für Unternehmen zu willigen und billigen Gehilfen und zur Wertquelle geworden sind, ob sie wollen oder nicht, kurz, prägnant und gut verständlich dargestellt. Aber die Ideen für die Zukunft gehen wesentlich weiter, Stichwort: Social Credit Systems, ein Überwachungssystem, bei dem privatwirtschaftliche und staatliche Akteure Hand in Hand arbeiten.

Schon heute ist der größte Teil des Internets kommerzialisiert und ein Raum, in dem Konzerne massenhaft Daten abschöpfen und auswerten, um detaillierte Nutzerprofile zu erstellen. Die Ausspähung reicht dabei von der Auswertung von Kreditdaten über das Ausforschen des Konsumverhaltens etwa durch Payback bis hin zu Petitionsplattformen. Social Credit Systems, kurz SCS, geht einen Schritt weiter: Es verfolgt das Ziel, möglichst allen Bürgern auf Grundlage ihres Verhaltens Punkte (Boni oder Mali) zu vergeben.

Digitale Sozialkontrolle

Für die Berechnung dieser Punkte müssen gewaltige Datenmengen erfasst werden: Zahlungsmoral, Verkehrs- und Strafregister, biometrische Daten, Einkaufsgewohnheiten, digitales Surf- und Kommunikationsverhalten sowie das Sozialverhalten im Allgemeinen. Wer sich konform verhält, nicht auffällt, soll (je nach Punktestand) belohnt werden: etwa mit günstigen Krediten, beruflichen Beförderungen, Bevorzugung bei Wohnungssuche, Arbeits- oder Studienplatzvergabe.

Bei unerwünschtem Verhalten drohen entsprechende negative Sanktionen. Die Entwicklung mobiler Endgeräte wie Smartphones und sogenannter Wearables, also tragbare Computersysteme wie Smartwatches oder Datenbrillen, ermöglichen zusätzlich neue Beeinflussungs- und Überwachungsmöglichkeiten. Science-Fiction? In China werden seit etwa vier Jahren solche Systeme erprobt und bis 2020, so das ehrgeizige Ziel, sollen landesweit digitale Systeme zur Sozialkontrolle eingeführt werden.

Ich persönlich stimme diesem Artikel voll und ganz zu. Wir fragen uns, warum müssen wir dann noch für solche Dienstleistungen bezahlen – siehe Bank – und alles immer mehr reduziert auf den Kunden übertragen wird?

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2RYTvgc