Leserbrief

Leserbrief: Zum Baumerhalt in der Boxberger Straße

Was haben Eisbären mit Linden zu tun?

Als im März 2008 die Naturschutzgruppe Taubergrund zur Unterschriftensammlung zwecks Erhalt der Lindenallee in der Boxberger Strasse aufrief, hatte ich die Idee, die Aktion zu unterstützen, indem ich den Bäumen eine Stimme gab. Das waren die grünen Plakate, die unermüdlich immer wieder nachwuchsen, mit Texten wie "Ich bin ein CO2 - Katalysator" , "Ich bin ein Feinstaubfilter" , "Ich bin ein Klimaschützer" und dergleichen. Sie stießen schon damals auf große Resonanz und trugen mit dazu bei, bei den beiden im März und dann nochmals im Mai durchgeführten Unterschriftenaktionen jeweils über 2000 Unterschriften für den Baumerhalt zu erzielen.

Ein Jahr und einen Aktenordner voll später haben die Bäume ein Aktenzeichen, die Sache liegt nun vor dem Verwaltungsgericht. Wer den Konflikt um diesen strittigen Gemeinderats-Beschluss vom 13. März 2008 mitverfolgt hat, weiß, dass es zahlreiche Bemühungen seitens der Baumschützer gab, eine Lösung zu finden, die jedoch allesamt seitens der CDU-Fraktion ignoriert oder boykottiert wurden. So zuletzt auch das von mir als Klageführerin unterbreitete Friedensangebot, mit dem Inhalt, doch wenigstens drei Linden stehen zu lassen als Symbol für praktizierte Bürgernähe und ökologisches Verständnis.

Welcher Art Demokratie-Verständnis dieses Nicht-Einlenken- Können der CDU entspringt, durfte man schon mehrfach der Presse entnehmen. Dem einen oder anderen mag der ganze Aufwand "welche derra poar Bööm" lächerlich erscheinen, mir persönlich geht es dabei vorrangig um zwei Punkte. 1.Klimawandel: Es ist mittlerweile ausreichend dokumentiert, dass die Vorboten des Klimakatastrophen- Szenarios bereits eingetreten sind. Deshalb müssen alle Bürger wie Politiker endlich begreifen, dass es nicht mehr ausreicht, über CO2-Reduzierungen bis zum Jahr 2025 zu sinnieren, sondern dass wir endlich radikal unseren Umgang mit dem Planeten Erde zu ändern haben. Wir brauchen dringendst mehr Respekt vor der Natur, vor jedem Bäumchen, ob in Provinz-Kleinstädten, Ballungsgebieten oder Regenwäldern! Wir befinden uns weniger in einer Wirtschafts-Krise, als in einer Bewusstseins-Krise!

2. Bad Mergentheimer Gemeinderat : Die Bürger sollen wissen, dass der Zankapfel "Ausbau der Boxberger Strasse ohne Baumerhalt" zu Lasten der CDU geht. Ebenso die Verschleppung der Baumaßnahme auf unbestimmte Zeit, das Friedens-Angebot hätte dies verhindern können. Es sei hiermit die Frage erlaubt, ob es der CDU, wie sie immer wieder betonte, tatsächlich um den Ausbau einer Straße in "unhaltbarem Zustand" ging oder, wie bei anderen Themen auch, einmal mehr nur um den Beweis ihrer Macht.

Machtverhältnisse können sich durch Wahlen ändern. Darauf und auf eine hohe Wahlbeteiligung, der Stadtentwicklung und den Bäumen zuliebe, freue ich mich!

Bedanken möchte ich mich bei allen Baumfreunden der ersten Stunde, bei den mutigen Teilnehmern der Menschenketten, sowie bei der Stadtverwaltung, insbesondere bei Oberbürgermeister Dr. Lothar Barth und Hauptamtsleiter Raimund Scheidel für den fairen Umgang miteinander.