Leserbrief

Was Leser über den Text zu Jarretts Geburtstag denken

Zum Artikel „Dieser Mann ist ein Genie wie Mozart oder Bach“ vom 8. Mai:

Der Mannheimer Kulturbetrieb lebt zum großen Teil von der Vielfalt und Qualität seiner Musikszene, die regelmäßig von der Kulturredaktion des „MM“ beobachtet und kommentiert wird, wobei diese Zeitung das große Glück hat, in der Person ihres Kulturchefs Stefan M. Dettlinger einen ausgewiesenen Kenner der Musikkultur in all ihren Facetten in ihren Reihen zu wissen.

Bedingt durch den derzeitigen Shutdown, der auch vor der Kultur nicht halt macht, rückt der Fokus der medialen Berichterstattung in eine gewisse Retrospektive. Da ist der 75. Geburtstag von Keith Jarrett, einem der bedeutendsten Vertreter des zeitgenössischen Jazz, ein willkommener Anlass, daran zu erinnern, dass Musik anders sein kann als Bach und Beethoven, Fugen oder temperiertes C-Moll.

Was habe ich diesen Mann geliebt, vor 40 Jahren den Kopfhörer zur Seite gelegt und die Braun-Boxen zum „Köln Concert“ in voller Lautstärke erklingen lassen, was meine Mutter am nächsten Morgen zu der schmallippig gestellten Frage veranlasste, ob in diesem Hause des nächtens denn niemals Ruhe einkehren werde.

Keith Jarrett, Dave Brubeck, Oscar Peterson, Namen die meinen Musikgeschmack maßgeblich geprägt haben. An den Geburtstag dieses Jazzmusikers zu erinnern, macht den Kulturteil des „MM“ auch für Leser interessant, denen sich die Feinheiten der akademischen Kritik an hochrangig besetzten Philharmoniekonzerten nicht auf Anhieb zu erschließen mag.

Joachim König, Mannheim

Lieber Herr Dettlinger, ich bin ein Fan von Ihnen, zumindest von Ihren Rezensionen und Artikeln. Ich liebe und verschlinge sie. Heute aber bewirkt Ihre Lobeshymne auf Keith Jarrett zu dessen 75. Geburtstag in mir widerspenstige Gefühle, die mich dazu bringen, auf Ihren Artikel zu reagieren.

Eines steht fest, seit dem Köln Konzert im Januar 1975 ist Keith Jarrett mit seiner Musik ein stetiger Begleiter meines Lebens. Ich meine, im Bewusstseins seines Lebenswerkes, dieses Konzert hat er nicht mehr übertreffen können. Ich weiß, Sie sind ein ausgebildeter Pianist, ich habe auch eine Ausbildung an der Musikhochschule Mannheim genossen. Deshalb kann ich Ihre Begeisterung für diesen Pianisten nachvollziehen. Nur ihn mit Mozart, Bach und Beethoven als Genie gleich zu setzen, halte ich doch für ein wenig zu hoch gegriffen.

Der größte lebende Musiker? Eine gewagte Feststellung, mir fallen da doch einige Alternativen ein. Ist nicht Michael Wollny aktuell der Jazz-Pianist? Lieber Herr Dettlinger, diesmal sind Sie für mich zu weit gesprungen.

Wolfgang Fritz, Mannheim

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