Leserbrief

Was Leser zur Sanierung am Rheindamm sagen

Leserbriefe zum Artikel „Bewegung im Streit um Bäume“ vom 9. August:

Herr Langscheid schreibt, dass bei der Rheindammsanierung 50 Bäume mehr als geplant erhalten werden können. Weiter führt er aus, dass etwa 1000 Bäume gefällt werden müssten. Das schrieb er mehrfach, obwohl er am 13. Juli 2018 bei der Infoveranstaltung des Regierungspräsidiums (RP) gehört haben muss, dass einer der Projektverantwortlichen von 3000 bis 4000 Bäumen sprach, die bei der geplanten Sanierung gerodet werden müssten.

In der aktuellen Presseerklärung des RP vom 8. August wird von „1000 größeren und wertgebenden Bäumen“ gesprochen. Der Rest von mindestens 1950 bis 2950 Bäumen scheint keiner Erwähnung wert, sowohl beim RP und als auch bei Herrn Langscheid. Da er weiß, dass große Teile der Bevölkerung Bäume als Sauerstoff-, Schatten- und Kühlespender wertvoll finden und jede Klimadiskussion zur Zeit den unschätzbaren Wert von Bäumen betont, erscheint diese Berichterstattung seltsam unvollständig und irreführend.

Die Überschrift seines Artikels „Bewegung im Streit um Bäume“ impliziert Streit. Die zitierte Bürgerinteressengemeinschaft strebt jedoch keinesfalls Streit an, sondern eine möglichst im Konsens entstehende technisch hochwertige Lösung, die bestmöglichen Hochwasserschutz mit maximalem Naturschutz verbindet. Das scheint doch im Sinne aller Bürger Mannheims zu sein.

Kann sich Herr Langscheid da nicht inhaltlich anschließen? Der für mich fragwürdigste Teil der Ausführungen ist sein Kommentar, in dem er in der Überschrift vor einem „Krieg der Gutachter“ warnt. Wieso erlaubt er sich diese Mutmaßung, für die es keinerlei realen Hintergrund gibt? Als Journalist weiß Herr Langscheid, dass man mit Sprache Wirklichkeit schafft/schaffen kann. Bisher haben die Gutachter im fachlichen und sachlichen Austausch gestanden, wenn auch mit sehr unterschiedlichen Lösungsvorschlägen! Des Weiteren schreibt er, dass die Grundfrage im „Streit“ folgende Fragen wären: „Stabilisieren die Bäume den Damm oder sind sie ein Sicherheitsrisiko?“ Und: „Soll man sich an DIN-Normen und technische Regelwerke halten oder nicht?“

Der Kenntnisstand von Herrn Langscheid scheint hier wenig aktuell zu sein: Die von Bürgern finanzierte Machbarkeitsstudie von Dipl. Ing. C. Schmidt vom Sachverständigenbüro Krebs + Kiefer basiert wie auch die Planung des RP selbstverständlich auf Einhaltung der DIN-Normen. Die von Dipl. Ing. Schmidt empfohlene Spund- oder auch Dichtwandlösung stabilisiert den Hochwasserschutzdamm zudem derart, dass die Beantwortung der in der Frühphase gestellten Frage, ob Bäume den Damm stabilisieren oder nicht, keine Rolle mehr spielt. Es können bei der durchgehenden Spund- beziehungsweise Dichtwandlösung nicht alle, aber der überwiegende Teil der Bäume erhalten bleiben, da sie die Stabilität einer Spundwand gar nicht gefährden können.

Was das Überleben der meisten Bäume gefährdet, ist die Vorstellung der Planungsbehörde, auf einer Länge von 3,5 Kilometern und 30 bis 55 Meter Breite alles zu roden, um einen Dammverteidigungsweg zu bauen. Bei einer durchgängigen Spundwand wäre dieser Verteidigungsweg nicht notwendig und die Auwald-Bäume würden erhalten bleiben. 

Astrid Kronenberger-Stüber, Mannheim

„Es sollen Naturdenkmäler vernichtet werden, die unersetzlich für das Kleinklima in den nahen Stadtteilen sind.“

Wer mit Wasserbau zu tun hat, schreibt Professor Lattermann, muss sich mit Umweltfragen beschäftigen! Denn Mensch und Natur stehen nicht immer im Einklang, wenn es um Wasserprobleme geht. Dabei kann Wasserbau nur erfolgreich sein, wenn die Natur nicht negativ verändert wird. Aber genau das würde passieren, wenn ein uneinsichtiges Regierungspräsidium im Waldpark 1000 Bäume opfern will, gestützt auf die Aussagen fragwürdiger Gutachter, die sich DIN-Normen als Schutzschilde bedienen, ohne die Zeiträume zu bedenken, die vergehen werden, um ihren Leichtsinn zu heilen. Es sollen Naturdenkmäler vernichtet werden, die unersetzlich für das Kleinklima in den nahen Stadtteilen sind.

Eine Aufforstung könnte in etwa 100 Jahren die Waldwunden heilen, wenn DIN und Gutachter längst vergessen sind. Doch jetzt und heute, wo der Klimaschutz endlich das beherrschende Thema ist und unsere Kinder dafür auf die Straße gehen, kann eine Verwaltung sich nicht hinter fragwürdigen DIN-Normen verstecken.

Den davon betroffenen Bürgern im Niederfeld (höchste Alterserwartung laut „MM“ ist 82 Jahre) und im Lindenhof sollte klar werden, dass man mit dieser Aktion einen Teil ihrer „Grünen Lunge“ vernichtet und die Schadstofflasten erhöht. „Geht den betroffenen Uferweg und staunt über die Bäume: welch ein Geschenk!“

Werner Kaltenborn, Mannheim

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2ZisxYn

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