Leserbrief

Was unsere Leser denken

Wie Leser über moderne Medizin und langes Leben denken

Zum Debatten-Beitrag „Leben wir dank moderner Medizin wirklich immer länger, Herr Dr. Reuther?“ vom 9. Februar:

Der Beitrag von Dr. Reuther zur heutigen Medizinversorgung ist hervorragend und mutig. Endlich deckt ein Arzt die Probleme im Gesundheitswesen schonungslos auf. Es wird auch Zeit, dass die kritiklosen Patienten aufwachen und ihr grenzenloses Vertrauen zu den Schulärzten und der Pharma-Industrie überdenken. Ich wundere mich schon seit Jahren, wie leichtsinnig sich die Patienten verhalten und sich zum Beispiel einer riskanten orthopädischen Operation anvertrauen, obwohl diese in den meisten Fällen nicht erforderlich ist.

Im Internet kann man sich viele Fachvorträge von Ärzten ansehen, die bei einer Arthrose im Knie, in der Hüfte oder im Schultergelenk Mobilisations-Übungen empfehlen, die, täglich angewandt, wieder zur Schmerzfreiheit führen. Stattdessen lassen sich die Patienten viel zu schnell auf das gefährliche Abenteuer einer Operation ein, mit allen Risiken, die damit verbunden sind. Oft hat man nach der Operation mehr Schmerzen als vorher. Natürlich hat der Patient mit seiner Unterschrift, vor der Operation, die Ärzte von ihrer Verantwortung bei einem Misserfolg befreit.

Ein weiteres Problem ist die Verschreibung von Antibiotika und weiterer mit starken Nebenwirkungen behafteter Medikamente. Es ist schon unverantwortlich, was von Schulmedizinern so alles verschrieben und von den gutgläubigen Patienten geschluckt wird, zum Wohle der Pharmaindustrie und zum Leidwesen der Patienten. Denn die Pharma-Lobbyisten sind nicht nur im Bundestag sehr aktiv, sondern beeinflussen auch die Verordnungen der Schulärzte.

Schon unsere Großmütter oder noch früher die legendäre Nonne Hildegard von Bingen haben sich mit alternativen Heilmethoden erfolgreich beschäftigt. Auch viele homöopathische Medikamente, die keine oder wenige Nebenwirkungen haben, dienen der Gesundheit. Viele Menschen können ihre Gesundheit und damit ihre Lebenserwartung durch eine gute Ernährung und regelmäßige Bewegungen stark begünstigen. Von Kurt Krieger, Mannheim

Leben wir dank moderner Medizin wirklich länger, Herr Dr. Reuther? Nein, habe ich (Jahrgang 1931) von meiner Mutter gelernt, einer Sportlerin, Krankenschwester, die ab 1920 in Hamburg gelernt hatte und dann dort tätig war. Auch mein Vater war Leistungssportler, Hamburger Beamter, das bedeutete damals seriöse, geordnete Verhältnisse, gute Vorbilder für uns Kinder, und dass Sport zum Leben gehört. Bis auf Kinderkrankheiten waren Krankheiten bei uns unbekannt.

Wir lernten Schwimmen, bevor wir in die Schule kamen. Meine drei jüngeren Geschwister, bis auf die jüngste Schwester, treiben alle bis heute Sport. Wir lernten, dass es Süßigkeiten nur zum Geburtstag, Ostern und Weihnachten gab, weil sie „ungesund“ sind, genau wie Rauchen. Das Überlebenstraining der Hunger-Jahre 1946 bis 1948 mit Brennnesselsalat haben wir trotz viel Kohldampf gesund gemeistert. Es wurde täglich gekocht. Das tue ich bis heute, und zwar ohne all die chemiehaltigen, vorgefertigten Lebensmittel, die man nach dem Krieg eingeführt hat. Sport kann ich außer Schwimmen seit drei Jahren nicht mehr treiben, weil Beschwerden nach unverschuldeten Autounfällen mich mehr und mehr behindern. Wir Geschwister philosophieren öfter darüber, warum es uns so gut geht. Es sind wohl die Gene, aber ganz sicher vor allem unsere Lebensweise, denn meine jüngste Schwester trieb keinen Sport, rauchte wie ein Schlot und ernährte sich völlig ungesund. Sie starb trotz ärztlicher Vollversorgung schon vor Jahren. Der Rest (Jahrgang 1932 und 1940) ist noch topfit. Von Karen Bertz, Mannheim

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Gewinnsteigerung an erster Stelle

Zum Artikel „Größte Freihandelszone der Welt“ vom 2. Februar:

Bei Freihandelsabkommen, wie dem zwischen der EU und Japan, geht es im Kern nicht um den Abbau von Zöllen. Diese könnten über bestehende Institutionen, die Welthandelsorganisation und das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT) festgelegt werden. Stattdessen geht es darum, dass der Kapital- und Dienstleistungsverkehr „erleichtert“ wird. Dadurch werden die bisher öffentlich erbrachten Dienstleistungen auch im kommunalen Bereich als Konkurrenzgeschäft betrieben. Das heißt, nicht mehr das Allgemeinwohl wird im Mittelpunkt der wirtschaftlichen Orientierung stehen, sondern die Gewinnsteigerung.

„Güllenotstand“ verschärft

Zudem geht es bei diesen Freihandelsabkommen darum, die „Nichttarifären Handelshemmnisse“ zu beseitigen. Das sind im Wesentlichen auch Schutzvorschriften für Verbraucher, Beschäftigte (Arbeitsschutz) und die Umwelt. Die EU-Kommission will mit diesem Abkommen eine weitere Privatisierung von bisher demokratisch regulierten Dienstleistungen durchsetzen.

Der Jubel über niedrigere Zölle im Agrarbereich dürfte bei Menschen, die in den mit Gülle überdüngten Regionen der Agrarindustrie in Norddeutschland wohnen, sehr gering sein. Schon heute sind dort die Flüsse, Bäche und Seen durch einen Überschuss an Gülle mit Phosphat und Stickstoff verseucht. Von den Seen in Niedersachsen erreicht kein einziger die in der Wasserrahmenrichtlinie vorgegebenen Ziele, von den Fließgewässern lediglich zwei Prozent. In einigen Regionen überschreitet sogar jede zweite Messstelle diese Grenze, teilweise um den Faktor zwei. Mit einer Ausweitung der Massentierhaltung wegen des prognostizierten Anstiegs des Fleischexports nach Japan, wird auch der „Güllenotstand“ verschärft werden. Von Martin Krumm, Mannheim

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Pflegekosten voll übernehmen

Zum Artikel „Stationäre Pflege macht arm“ vom 8. Februar:

Vielen Dank für Ihren Artikel. Auch wenn zu dem Thema an verschiedenen Stellen um Lösungen gerungen wird, ist die Übernahme der sogenannten Investivkosten nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Vielmehr ist es an der Zeit, dass das für Politiker durchaus unpopuläre Thema „Übernahme der gesamten Pflegekosten durch die Pflegeversicherung“ nicht mehr weiter hinausgezögert wird.

Der zwischenzeitlich 24 Jahre alte jüngste Zweig unseres Sozialsystems ist stark überholungsbedürftig geworden. Das Pflegestärkungsgesetz hat zwar den ersten richtigen Ansatz gebracht, aber wie immer recht halbherzig umgesetzt. Das Zitat der Landtagsabgeordneten Sabine Wölfle in Ihrem Artikel bringt es doch auf den Punkt: „Volle Übernahme der Pflegekosten durch die Pflegeversicherung“ – das ist die Lösung schlechthin.

Lassen wir unsere ehemaligen Leistungsträger völlig hängen oder ergreifen wir die Initiative und verhindern die Altersarmut durch Pflegebedürftigkeit? Übrigens, liebe Baby Boomer und Jüngere: „Ihr seid die nächsten Armen!“ Von Ralf Bastian, Edingen-Neckarhausen

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Zweite Welt außer Reichweite

Zum Thema Klimawandel:

Da gibt es Zeitgenossen, die halten Leute, die vor dem Klimawandel warnen, für bekloppt. Wenn jemand sein Hab und Gut verzockt, dann ist das seine, allenfalls noch Sache seiner Familie. Fährt jemand wissentlich mit defekten Bremsen herum, kann das auch andere gefährden.

Seit mehr als sieben Jahrzehnten warnen seriöse Wissenschaftler (unter anderem der Club of Rome) vor den Folgen des Klimawandels. Darunter sind auch etliche Nobel-Preisträger. Das ist aber etwa so, als würde man einem Ochsen ins Horn petzen. Die Musik und der Tanz gehen weiter auf dem sinkenden Schiff, als ginge das nur die Wissenschaft was an.

Verhandlungen unmöglich

Wenn eine Handvoll Leute uns weismachen will, dass es keinen Klimawandel gäbe, diese aber irren, was dann? Was wird aus unseren Enkelkindern? Wegrennen geht nicht und eine zweite Welt ist auch nicht in Sicht. Weiter so, uns wird schon was einfallen, wenn die Karre im Dreck steckt. Was aber, wenn es diesen „Point of no return“ tatsächlich gibt? Wenn die Temperatur immer weiter ansteigt und durch positive Rückkopplungseffekte ein Prozess in Gang kommt, der auch dann nicht mehr zu stoppen ist? Wenn alle Abgase durch den Verkehr, die Industrie und Privathaushalte abgeschaltet sind? Mit der Natur kann man nicht verhandeln. Es gibt auch keine Warnlampe, die uns davor schützt, leichtsinnigerweise in die Katastrophe zu schlittern. Von Heinrich Ill, Mannheim

Naive Klage zu den Auto-Kontrollen

Zum Artikel „Gericht kippt Auto-Kontrollen“ vom 6. Februar:

Bei allem Verständnis dafür, dass wir alle wohl keinen Überwachungsstaat wollen, muss man den Richtern am Bundesverfassungsgericht vorwerfen, dass sie wohl keine oder nur sehr wenig Ahnung davon haben, wie wir bereits umfassend „überwacht“ werden, ohne dass bislang auch nur ansatzweise ein Gericht dagegen vorgeht.

Totale Überwachung

Den Kläger kann man nur als ausgesprochen naiv bezeichnen. Die Erfassung von Kfz-Kennzeichen, die nach wenigen Sekunden wieder gelöscht werden, sind Peanuts gegen das, was zum Beispiel die Autohersteller schon jetzt an Daten speichern. Da wird nicht nur erfasst, wie schwer die Person auf dem Fahrersitz ist, wie stark und voll sie bremst oder Gas gibt, nein, es werden auch die gesamten anderen Fahrdaten an die Hersteller (Kfz-Versicherungen?) übermittelt: etwa, ob die Ölwechsel rechtzeitig vorgenommen werden, wo das Auto gerade fährt, wo und wann es mit wie viel Sprit betankt wird. Mir ist darüber hinaus kein einziges Gericht bekannt, das gegen die Datensammelwut von Google, Apple, Facebook & Co. bislang etwas einzuwenden hat. Das ist die totale Überwachung („1984“ lässt grüßen) und nicht die läppische, sekundenlange Kennzeichenerfassung. Von Michael Münster, Mannheim

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Vater und Kind waren tot

Zur Meldung „Zu viel Kohlenmonoxid in Shisha-Bar: Zwei Frauen bewusstlos“ vom 11. Februar:

Wer raucht so spät im nächtlichen Kohlenmonoxid-Wind? Es ist der Vater mit seinem Shisha rauchenden Kind.

Er hat den Knaben wohl in dem Arm, er fasst den Gummi-Schlauch sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? Siehst, Vater, du die Gifte nicht? Die Gifte, wie unter vielen anderen auch das Arsen, das kommt aus unserem Schlauch.

Mein Sohn; es ist ein Nebelstreif. – Reg Du dich nicht auf, nimm die Shisha in Gebrauch, tank lieber mal auf.

Mein Vater, mein Vater und liest du nicht dort zwei Töchter bewusstlos am düsteren Ort? – Mein Sohn, mein Sohn ich lese es genau: Das war im niedersächsischen Peine, das trifft uns doch kaum. – „Ich liebe dich, Vater, erinnere mich, hör auf zu rauchen, bevor dich der Herzinfarkt erwischt!“

Mein Vater, mein Vater, der Krebs frisst mich an! Das Rauchen hat mir ein Leid getan! – Dem Vater grauset’s, der Krankenwagen fährt geschwind, Er hält in Armen das ächzende Krebs-Kind. Der Wagen erreicht das Hospital mit Mühe und Not, Arm in Arm, Vater und Kind waren tot. Von Christina B. Ding, Neckargemünd

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