Leserbrief

Weder Zeit noch Personal

Zum Debattenbeitrag „Wie können wir Pflege menschenwürdig gestalten, Frau Ohlerth?“ vom 16. November:

Das Pflegesystem krankt, wie so einiges andere auch, am Geld, beziehungsweise daran, wie es verwendet wird. Fangen wir bei der Pflege zu Hause an. Meine Mutter ist seit rund zwei Jahren im Pflegegrad 4 und wird von mir und einem Sozialdienst zu Hause gepflegt. Dies ist zeitlich nur möglich, da ich meinen Beruf dafür aufgegeben habe. Als Dankeschön für diese Leistung erhalte ich 728 Euro im Monat, die anteilsmäßig durch die Leistung des Sozialdienstes auf rund 500 Euro gekürzt wird.

Unbestritten ist der Pflegeberuf anstrengend, unterbezahlt und teilweise unbefriedigend. Tatsache ist aber auch, dass man für einen Pflegeplatz in Mannheim zwischen 2100 bis über 2500 Euro über den Anteil der Pflegekasse hinaus privat finanzieren muss. Und dies für ein Programm, das kaum über die Grundversorgung hinaus noch etwas bietet. Für ein individuelles Mobilisierungsprogramm steht weder Zeit noch Personal zur Verfügung.

Mehr Geld ins System

In meinem Fall mit der Folge, dass meine Mutter mobil eingeschränkt in die Kurzzeitpflege ging und immobil wieder nach Hause kam. Der Staat sollte hier mehr Geld über die Pflegekassen ins System stecken, gleichzeitig aber auch mehr Kontrolle über die Verwendung der Gelder haben. Pflege soll kein profitables Geschäft für Investoren auf Kosten der Pflegenden und Gepflegten sein.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2L253hU