Leserbrief

Wer arbeitet, hat mehr vom Leben

Zum Debattenbeitrag „Warum bringt es nichts, Kriminelle nur wegzusperren, Herr Maelicke?“ vom 17. August:

Auf dem Hofgut Petersau arbeiteten jahrzehntelang Gefangene. Ich habe dies von Jugend an erlebt und mit ihnen zusammengearbeitet. Montagsmorgens wurden sie vom Gefängnis geholt und am Samstagmittag mit dem Traktor und einem Hänger ins Gefängnis zurückgefahren. Bei der Stadtdurchfahrt legten sie sich flach hin, um unerkannt zu bleiben. Die letzten Jahre wurden sie täglich zur Übernachtung ins Gefängnis gefahren, sie waren dann aber nicht mehr so fleißig und an ihrer Arbeit interessiert, wie zuvor.

Förderung des Miteinanders

Inhaftierte sollten zur regelmäßigen Arbeit gegen eine kleine Entlohnung angehalten werden. Dies ist gut für alle, die an körperliches Arbeiten nicht gewohnt sind. Wer daran gewöhnt wird, für seinen Unterhalt zu sorgen, seine Miete zu bezahlen, und es erlebt, rechtschaffen müde zu werden, wird zufriedener einschlafen. Man erhält das Gefühl, seinen Platz in der Gemeinschaft auszufüllen. Den Gefangenen sollte möglichst sinnvolle Arbeit gegeben werden. Auch zur Förderung des Miteinanders und Füreinanders. Wer arbeitet, hat mehr vom Leben. Jährlich einmal ist einer unserer Gefangenen geflüchtet. Meist zur Ehefrau oder Familie. Natürlich birgt der Freizeitbezug auch Risiken.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/32cGmVW