Leserbrief

Wettbewerb der Verdrängung steht an

Zur Debatte „Wie viele werden wir noch, Herr Klingholz?“ vom 21. September:

Die hypothetischen Ausführungen, Analysen und Prognosen sind fundiert. Quintessenz: Folgen wir Reiner Klingholz, müsste die Weltbevölkerung allerdings per se schrumpfen ...

Eine These, die zwar nicht neu, aber dafür mit reichlich Sprengstoff beladen ist. Unterstellen wir, dass in Industrieländern weiterhin rückläufige Bevölkerungszahlen zu erwarten sein würden, bliebe das rasante Wachstum der Erdbevölkerung in der Summe, vorwiegend in Afrika, Fernost und Südamerika, trotzdem ungebremst; würde ergo keinen globalen Effekt erzielen; lediglich eine geografische Verschiebung.

Oktroyierter Schrumpfkurs

Zwangsläufig bedeutet dies: Wollen wir das globale Ökosystem nicht ruinieren, müssen wir „unseren“ Konsum verändern. Ob damit dem Klima wirklich „auf die Sprünge“ geholfen werden kann, ist zu bezweifeln.

Es wird – die globalen Vorboten sind deutlich – eher zu einem Verdrängungswettbewerb führen, den am Ende Schwellen- und Entwicklungsländer für sich entscheiden werden; allein schon, weil diese den Anspruch erheben, dass ihnen dies nun zustünde. Öko-moralisch mag dies zunächst vertretbar sein.

Davon auszugehen ist allerdings, dass die „überkonsumierenden“ Länder sich keinen Schrumpfkurs oktroyieren lassen. Zudem müsste zunächst einmal definiert werden, was unter einem „Schrumpfkurs“ in diesem Kontext überhaupt zu verstehen wäre. Denn wenn alle das Gefühl haben, sie verzichteten allein zugunsten des Klimas, wird sich wohl nichts ändern.

Da ist die Politik nun gefragt: Strukturen müssten – gesellschaftlich ausgewogen – so verändert werden, dass Wohlhabende und Reiche nicht zwangsläufig schadlos außen vor bleiben; Glaubwürdigkeit mit nachhaltiger Kompetenz ist also gefragt. Wenn es Verzicht auf Konsum heißt, der das globale Ökosystem schützt und den ausufernden Ressourcenverbrauch minimiert, wäre es ein Weg der Vernunft, der ein radikales Szenario verhindern könnte.

Elementar wäre hierbei: Nicht zuzulassen, dass Veränderungen dogmatisch-ideologisch verbrämt um sich greifen, sondern die Menschen national als auch global mitgenommen werden.

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/2pD2VoJ