Leserbrief

Wie der Umgang mit dem eigenen Garten die Leser bewegt

Zum Leserbrief „Meckerer sollen beim Unkrautjäten helfen“ vom 3. August zum Thema Schottergärten:

Verehrte Frau Bullinger, Sie irren ebenso wie leider sehr viele andere, die in exzessiver Auslegung des Eigentums- und Freiheitsbegriffs so denken wie Sie, wenn Sie schreiben, es ginge niemanden etwas an, was Sie mit Ihrem Garten machen, auch wenn Sie ihn zubetonierten. Nach dem Motto: Jeder denkt an sich, nur ich denk‘ an mich. Denn Sie leben nicht allein auf einem unbewohnten Planeten, sondern in einer Gemeinschaft mit anderen Menschen, Tieren und Pflanzen. Selbst auf der berühmten einsamen Insel wäre diese Auffassung falsch. Ebenso wie Sie richtigerweise „den Vorgarten des Grauens“ beanstanden, steht es Ihnen keineswegs zu, in der Gesellschaft, in der Sie leben und an der Sie partizipieren, sich auf Ihr vermeintliches Recht zu berufen, mit Ihrem Eigentum machen zu dürfen, was Sie wollen. Rücksicht zu nehmen auf die Belange der Anderen, auf Natur und Umwelt ist Ihre Pflicht, ebenso wie jedes Bewohners der Erde. Hier nebenbei noch ein Tipp: Wenn Ihnen die Pflege des Vorgartens so viel Mühe bereitet, könnten Sie eine Naturwiese anlegen und diese von Zeit zu Zeit mähen. Das wäre sicher verkraftbar.

Sehr geehrte Frau Bullinger, als Sie ein 460 Quadratmeter großes Grundstück, davon 100 Quadratmeter Vorgarten, erwarben, wussten Sie doch, dass dieses der Pflege bedarf. Warum glauben Sie aber ständig, „Unkraut“ rupfen zu müssen? Auch so genanntes Unkraut ist ein Refugium für die Tierwelt. Und sieht übrigens keineswegs hässlich aus. Vögel, Bienen, Insekten und Schmetterlinge, die sich dann einfinden – auch daran ist ja wohl nichts hässlich. Stellen Sie sich vor, alle Mannheimer (Vor-)Gärten wären so tot wie Ihrer und würden die eh schon sehr hohen Sommertemperaturen noch weiter einheizen. Das ist also keineswegs nur ein privates Thema. Noch ein Tipp: Ersetzen Sie in Ihrem Garten hinter dem Haus doch Ihren ebenfalls toten Zierrasen durch eine grüne Wiese. Das ist nicht nur für die Tierwelt ein Paradies, sondern auch für Sie ein optischer Gewinn.

In der Natur gibt es kein Unkraut! Jede einzelne Pflanze wächst und gedeiht in ihrem entsprechenden Umfeld. Den von Frau Bullinger angesprochenen Garten des Grauens, in dem leben mehr Tiere, Insekten und Kleinlebewesen als auf ihrem Schottergarten oder Rasen. Ein Garten, der wild wächst, ist eine echte Bereicherung für die Artenvielfalt, aber der passt ja nicht in das Schönheitsideal so mancher Hausbesitzer. Nach den Schottergärten sollte man auch noch den Rindenmulch verbieten.

Info: Originalbrief unter http://bit.ly/2MOob4H