Leserbrief

Wie weit sollen sich die Arbeitnehmer noch einbringen?

Zum Kommentar "Beide müssen zahlen" vom 3. August:

Zweifelsfrei führt der demografische Wandel zu gesamtgesellschaftlichen Problemen. Diese Probleme auf die Arbeitnehmer und die Gewerkschaften rückübertragen zu wollen und die Sozialabgaben begrenzen zu wollen, finde ich nicht korrekt.

Trotz blendend laufender Gesamtwirtschaft ist der Krankenversicherungsbeitrag für Arbeitgeber bei 7,3 Prozent gedeckelt. Egal welchen Beitragssatz die Krankenkassen individuell wählen, der Arbeitgeber zahlt nur 7,3 Prozent. Bestrebungen laufen, den Arbeitgeberbeitrag solidarisch, wie dies gefühlte 50 Jahre Gültigkeit besaß, wieder auf 50 Prozent des Gesamt-Krankenversicherungsbeitrages zu erhöhen. Die gesamtwirtschaftliche Lage in der BRD hat sich durch die Agenda 2010 positiv entwickelt.

2,5 Millionen Zuwachs

Die Arbeitnehmereinkommen haben sich im Vergleich zu den Arbeitgebereinkommen nicht proportional erhöht. Wie weit sollen sich die Arbeitnehmer denn noch "einbringen"?

Der Direktor für Arbeitspolitik am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit bestätigt, dass in den letzten zehn Jahren ein Zuwachs von knapp 2,5 Millionen Beschäftigten stattgefunden hat.

Außerdem wird die Zuwanderung, Einwanderung und Immigration als positiv auf die Beschäftigtenzahl und ebenso (da junge, gesunde, arbeitswillige Arbeitnehmer zuwandern und zuwanderten) auf die Einnahmen im Sozialsektor dargestellt.

Sie sind der Ansicht, dass die Arbeitnehmer (und die Arbeitnehmervertretungen = Gewerkschaften) Zurückhaltung üben sollten. Sie fragen nicht, ob es notwendig ist, dass wir uns noch eine Zahl von 113 Krankenkassen (Stand: 01.01.2017) "gönnen" müssen. Mit einer gleichen Zahl nicht schlecht bezahlter Direktoren.

Solidarität könnte auch so aussehen, dass Erbschaft- und Schenkungssteuerrecht gemäß den Ausführungen des Bundesverfassungsgerichtes im Hinblick auf die "Beanstandung der umfangreichen Verschonung des Betriebsvermögens großer Unternehmen" geändert würde.

Mit den erhöhten Steuereinnahmen könnten "versicherungs-fremde Eingriffe in das soziale Netz", die von der Politik vorgenommen wurden, ausgeglichen werden.