Leserbrief

Wirkliche Meinung zum Kohleausstieg fehlt

Zum Artikel „GKM könnte langfristig ein ,grünes’ Kraftwerk werden“ vom 9. Dezember:

Das Grosskraftwerk Mannheim (GKM) gehört der RWE (40 Prozent), der EnBW (32 Prozent) und der MVV (28 Prozent). Die RWE gehört nur noch zu zehn Prozent den Städten Dortmund und Essen, der Rest ist in privater Hand. Die EnBW gehört annähernd zu 100 Prozent dem Land Baden-Württemberg und der OEW (kommunaler Zweckverband). Die Eigentümer der MVV sind die Stadt Mannheim (50,1 Prozent), die EnBW (28,76 Prozent), die Rheinenergie (16,3 Prozent), der Rest ist Streubesitz.

Das Land Baden-Württemberg hat damit über die EnBW den größten Anteil am GKM. In dem Interview beklagen sich die beiden GKM-Vorstände, dass in dem Gesetzentwurf zur Umsetzung des Kohleausstieges, Steinkohle-Kraftwerke, vor allem in Süddeutschland bei möglichen Entschädigungen für das Abschalten benachteiligt werden. Danach stellen sie fest, dass das GKM und eigentlich alle Kraftwerke südlich des Mains systemrelevante Anlagen sind und vorerst gar nicht abgeschaltet werden können, um eine sichere Energieversorgung weiterhin zu gewährleisten.

Positiv an dem Gesetzentwurf seien finanzielle Anreize, um Kraftwerke von Kohle (fossiler Brennstoff) auf Gas (fossiler Brennstoff) umzustellen, das heißt, Bau von neuen Gas- und Dampfkraftwerken, die dann in ferner Zukunft mit „Biogas“ beziehungsweise „Wasserstoff“ betrieben werden könnten.

Was den Bau von neuen Gas- und Dampfkraftwerken betrifft, kann sich jeder im Internet über den Irrsinn von Irsching informieren, wo modernste Gaskraftwerke seit Jahren stillstehen. Die beiden leitenden Angestellten des GKMs trauen sich wohl nicht, in Anbetracht der Mehrheitseigner (EnBW/Land Baden-Württemberg und MVV/Stadt Mannheim), ihre wirkliche Meinung zu den Kohleausstiegsplänen der Bundesregierung zu sagen.

Letztendlich sind die beiden Herren auch die falschen Ansprechpartner. Es wäre sinnvoller gewesen, wenn Ihre Zeitung das Interview über die Zukunftsaussichten des GKMs mit den Haupteigentümern geführt hätte. Es wäre interessant zu hören, was die Vertreter der Haupteigentümer, die Landesregierung von Land Baden-Württemberg und die Vertreter der Stadt Mannheim konkret von dem Ausstiegsgesetz halten.

Ich denke, dass sich die RWE, die mehrheitlich im privaten Besitz ist, auf jeden Fall gegen entschädigungsloses Abschalten rechtlich zur Wehr setzen wird. (Franz Grossmann, Mannheim)

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/36HZsFN 

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