Leserbrief

Wo bleibt die Glaubwürdigkeit?

Zum Artikel: „Weil ihr uns die Zukunft klaut“ vom 16. März 2019.

Macht weiter! Denn es gibt ein Menschenrecht auf eine intakte und saubere Umwelt. Was für eine Blamage: Eigentlich sollten die Regierungen aller führenden Industrienationen der Welt als erwachsene Vorbilder auch das Ziel haben, den Planeten und die Umwelt zu schützen und weiterhin für ihre eigenen Kinder und die Menschen, für die sie Verantwortung tragen, lebenswert zu erhalten.

Das krasse Gegenteil ist der Fall. Allen voran „Made in Germany“ wechselt Deutschland – nach der Klimakonferenz im eigenen Land und den hochgesteckten Zielen und Grenzwerten nach einer beispiellosen Betrugsaffäre nicht nur der deutschen Automobilindustrie – jetzt die Seiten und verabschiedet sich in der letzten Regierungserklärung selbst von den damaligen Zielen. Jetzt wurden auch noch Grenzwerte nach oben korrigiert und man kauft sich für hunderte von Millionen Euro „Verschmutzungsrechte“ von anderen Staaten. Das ist mal wieder ein Hintertürprinzip.

Was für ein Hohn, wo bleibt da die Glaubwürdigkeit? Allein VW muss Strafen in zweistelligen Milliardenhöhen bezahlen und die Aktienkurse gingen nach oben, weil der Vorstand ca. vier Monate später beschlossen hatte (laut Artikel des „MM“) 30 000 Mitarbeiter weltweit zu reduzieren. Mit ein bisschen Kopfrechnen kommt man zu dem Ergebnis, dass dies eine Einsparung von etwa ein bis 1,5 Milliarden Euro pro Jahr bedeutet. So wurde die Situation genutzt, um den Konzern zu verschlanken, und die Strafe in weniger als zehn Jahren wieder zu erwirtschaften. Ein Lob auf das gleiche Management, das zuvor den Betrug verursacht hatte und die falschen „Softwarenachrüstungen“ als Lösung verbreitete. Jetzt sollen 44 Milliarden in E-Mobilität investiert werden und dafür müssen wieder 7000 Mitarbeiter gehen.

Hat sich mal jemand überlegt, was in Europa passiert, wenn sich der Golfstrom aufgrund der abtauenden Pole verändert? Unsere gesamte Infrastruktur ist auf den Erfahrungswerten der Wetter und Klimaaufzeichnungen der letzten 100 Jahre aufgebaut. Was ist, wenn sich diese Rahmenbedingungen ändern? (Regenmengen, Stürme, Temperatur im Sommer usw.) Und die Verantwortlichen spielen das herunter. Was kann so wichtig sein, dass so viele Menschen daran leiden oder sterben? Die „Erwachsenen“ sollten aufgrund ihrer Erfahrungen und den Ratschlägen von Forschern verantwortungsbewusst als Vorbilder handeln. Das tun sie nicht. Sie schlagen alle Warnungen von tausenden von Wissenschaftlern in den Wind. Aus Angst vor Veränderungen und festgefahrenen politischen Verhältnissen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten passiert viel zu wenig, es gibt keinen ausreichenden Druck von den Regierungen auf die Industrie.

Da muss erst ein 16-jähriges Mädchen aus Schweden kommen, um den ganzen Regierungschefs der Industrienationen den Spiegel vorzuhalten. Gut gemacht, Greta Thunberg! Beim Klimagipfel gibt es inzwischen sogar Rückschritte. So viele Politiker treffen sich zu sehr hohen Kosten und es kommt nichts dabei heraus. Stattdessen wird von – Gott sei Dank – wenigen versucht, die Bewegung „Fridays for Future“ als eine Aktion von „Jugendlichen, die keine Ahnung haben“ zu diskreditieren. Diese Jugendlichen haben mehr Ahnung als viele, die sie haben sollten. Und sie trauen sich, weil sie noch nicht abhängig sind.

Bodo Dietrich, Mannheim

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2FFcRUc