Leserbrief

Wo bleibt die Idee von Europa?

Seit längerer Zeit beunruhigt mich die politische Lage in Deutschland und Europa. Wenn ich in Zeitungen blättere oder in sozialen Medien unterwegs bin, gibt es scheinbar nur ein Thema: Zuwanderung, Flüchtlinge und Ausländer. Die rechten und rechtsextremen Parteien erhalten ungewohnten Zulauf – in Italien, Österreich, Polen, Ungarn und sogar in den nordischen Staaten oder den Vereinigten Staaten.

Das erinnert mich an die Zeit des Aufstiegs des Faschismus. Die Entwicklung war schleichend und wir wissen alle, wohin das geführt hat. Mir ist diese Entwicklung unbegreiflich. Dem überwiegenden Teil der Menschheit in unseren Breiten geht es gut, wir reisen in ferne Länder, lernen fremde Kulturen kennen und trotzdem gibt es diese verhängnisvolle Entwicklung.

Natürlich haben wir immer etwas in unserem Gemeinwesen zu verbessern, und wir sollten uns diesen unerledigten Problemen zuwenden. Hand aufs Herz: Geht es einem Deutschen schlechter, nur weil fremde Menschen ins Land gekommen sind?

Verhängnisvolle Entwicklung

Natürlich sollen wir solchen Menschen Schutz gewähren, die in ihrer Heimat vor Krieg und Verfolgung fliehen. Nur ein Hinweis: Im 19. Jahrhundert wanderten sechs Millionen Deutsche und Österreicher in die USA aus – die meisten aus wirtschaftlichen Gründen. New York war um 1850 die drittgrößte deutschsprachige Stadt nach Berlin und Wien. Wo bleibt dann die Idee Europa mit ihrem 70-jährigen Frieden und Wohlstand?