Leserbrief

Wofür die Entschuldigung?

Zum Artikel „Oberarzt: ,Es tut mir leid’“ vom 12. April:

Man kann verstehen, dass der junge türkische Mitbürger nicht zu einem Brecher des Völker- und Menschenrechts wie Erdogan verwiesen werden wollte. Noch weniger verstehe ich als langjährig zufriedener Patient des Theresienkrankenhauses, wofür sich der Oberarzt eigentlich entschuldigt hat, wenn der junge Türke einen türkischen Pass besitzt. Wenn jemand im Ausland zu Gast ist und die Leistungen der dortigen Steuerbürger in Anspruch nimmt, muss er sich diesen Hinweis schon gefallen lassen, hoffend, dass er auch ein paar Euro Steuern für unser schönes Mannheim aufbringt. Alle Menschen in unserem Land haben gleiche Rechte und Pflichten und der Vorgang (sofern vollständig) zeigt, wie weit es mit der Stigmatisierung normaler Verhaltensweisen schon gekommen ist. (Victor Laslo, Stuttgart)

Erneut zeigen sich Ungeduld gepaart mit Angriffslust bei einer, diesmal türkischen, Patientenfamilie. Obwohl von „Patienten“ (Ertragenden/Duldenden) ein gewisses Maß an Rücksicht erwartet werden darf, wurde aggressiv auf die Tatsache des Notstandes in der Zimmerbelegung agiert. Dass auch ein Oberarzt nach „massiver“ Beschimpfung einer Kollegin in emotionalem Stress ist und entsprechend, sprich menschlich, reagiert, ist dann vollkommen normal. Es ist aus meiner Sicht zudem abwegig, sich an zwei älteren, und wahrscheinlich sehr ruhigen, Mitpatienten zu stören. Als ich im Jahr 2007 im Krankenhaus, zusammen mit zwei Zimmergenossen, den Neuzugang eines nichtsesshaften Alkoholikers mit allen Begleiterscheinungen hinnehmen musste, weil keine räumlichen Alternativen zur Verfügung standen, waren auch wir gezwungen, diese Situation einige Tage zu erdulden. Bald entspannte sich die Lage wieder. Hier war Toleranz und Respekt für die Ärmsten und Bedauernswertesten dieser Gesellschaft nach anfänglichem Unbehagen bald kein Thema mehr. – Übrigens ist merkwürdig, wie in der Onlinezeitung „Daily Sabah“ 18-Jährige noch als „Kinder“ bezeichnet werden, wenn im selben Land andererseits 12- bis 14-Jährige bereits vermählt werden. Zu dem Archaischen passt in seiner surrealen Prägung, wie Digitalität und Hochmittelalter Hand in Hand gehen. (Uwe Merkel, Mannheim)

Vorausgesetzt, es hat sich, wie in ihrem Artikel vom 12.04.18 beschrieben, auch so zugetragen (sachliche und gründliche Recherche), dann kann man nur noch fassungslos den Kopf schütteln. Nicht der Oberarzt sollte sich rechtfertigen/entschuldigen müssen, sondern die türkischstämmige Familie und eventuell auch die Klinikleitung, die unter Umständen auf die Entschuldigung des Oberarztes eingewirkt haben könnte. Für ein derart schlechtes und beleidigendes Verhalten der türkischstämmigen Familie dem Klinikpersonal gegenüber kann es keine Rechtfertigung geben. Aus eigener Erfahrung in diesem Haus kann ich feststellen, dass sowohl das Pflegepersonal als auch die Ärzte zuvorkommend und gründlich mit den Patienten umgehen. Akzeptanz und Achtung im zwischenmenschlichen Bereich gilt für alle in unserem Land lebenden Menschen, nicht nur für einzelne Gruppen. (Peter Kleinert, Mannheim)

Größtes Verständnis für den Oberarzt vom Theresienkrankenhaus. Man wird ja in dieser mittlerweile perversen Gesellschaft doch noch menschlich im Affekt reagieren dürfen! Nur noch fordern, fordern und selber nichts bringen – die Rechte kennt man, aber die Pflichten will man nicht annehmen – es scheint Strategie zu sein! Wir müssen energisch dagegen vorgehen! Kein Respekt vor der Leistung eines verdienten Oberarztes? (Michael Wendling, Bruchsal)

Ich möchte hier einmal dafür werben, respektvoll miteinander umzugehen. Solche Situationen wie im Theresienkrankenhaus geschehen meines Erachtens aus Respektlosigkeit gegenüber anderen Menschen. Zuerst einmal würde mich interessieren, wieso sich ein 18-jähriger Patient von zwei älteren (?) Mitpatienten gestört fühlt. Es ist ein Krankenhaus und kein Hotel. Wieso geht diese Familie die Stationsärztin so massiv an, dass sich der Oberarzt einschalten muss? Dass es in so einer Situation zu unsachlichen Äußerungen kommt, kann passieren. Sicherlich sind es aber zwei Seiten, die man da sehen muss. Es ist nur schlimm, dass solche Artikel den Menschen wieder Wasser auf die Mühlen geben, die Ihre Vorurteile pflegen. Es gibt in jedem Kulturkreis solche und solche Menschen. Dies trifft auch auf alle Berufsgruppen zu. Bevor man mit solchen Dingen an die Zeitung geht, sollte man sich sicherlich erst einmal Fragen, was habe ich falsch gemacht und das persönliche Gespräch suchen. Dies wäre sicherlich eine bessere Lösung gewesen. So heißt es jetzt doch nur wieder „Die Türken“ oder „Die eingebildeten Ärzte“ und das wird bestimmt keinem gerecht. (Beate Korn, Lampertheim)

Zu diesem Thema würde ich es sehr begrüßen, wenn wenigstens dieses Mal von den Journalisten abgesehen würde, diese Angelegenheit weiter zu verfolgen und eine unendliche Debatte dadurch ausgelöst würde. Wenn ein Vater seinem „Kind“ von 18 Jahren unbedingt alle Steine aus dem Weg beseitigen möchte, ist das seine Angelegenheit, die er eventuell später selbst zu spüren bekommt. Dass aber ein Krankenhaus sich noch rechtfertigen muss, warum es diesen Wunsch nicht erfüllt, finde ich unerträglich. Wir zahlen seit Jahren eine Zusatzversicherung für den Krankenhausaufenthalt und müssen eventuell, obwohl wir ein Einbett-Zimmer möchten, auch mal in ein Zweibett-Zimmer. Es wäre zu schön, wenn diese Familie nicht noch eine Plattform bekommen würde. (Rosemarie Gruhn, Viernheim)

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2JWkohC