Leserbrief

Wohltuend und hoffnungsvoll

Zum Kommentar „Frage der Menschlichkeit“ vom 30. März:

Der Kommentator Stephan Alfter wirft einen Blick auf die Zeit nach der Corona-Krise. Damit reiht er sich ein in die Riege derer, die Vermutungen anstellen, wie sich unsere Gesellschaft verändern könnte. Warum er dabei Matthias Horx in diesem Ausmaß angreifen muss, erschließt sich mir allerdings nicht.

Sicher, vieles ist optimistisch, vielleicht zu optimistisch formuliert, aber gleichzeitig ist es wohltuend und hoffnungsvoll eine solche Perspektive einzunehmen. Die psychischen Auswirkungen von Isolation werden gerade erst in den Fokus genommen, da ist ein solcher Artikel wie der von Horx Hoffnung spendend. Daneben empfinde ich eine Bezeichnung älterer Frauen als „Oma“, wie sie der Kommentator vornimmt, keinen Ausdruck eines reflektierten Menschenbildes, das er für die Zukunft beschreibt.

Brigitte Mahnkopf, Edingen-Neckarhausen

Mit den Worten, wie sie Stefan Alfter benutzt, hätte er seinen Kommentar besser in einschlägige Socialmedia-Seiten geschrieben. Am allermeisten ärgert mich die Wortwahl, „die über 90-jährige Oma“. Auch Menschen über 90 Jahren sind Frauen und Männer! Oma wird man dadurch, dass man Kinder hat und diese wiederum Kinder haben und nicht durch das Alter. Solche einfachen Zusammenhänge sollten dem Autor bekannt sein. Es ist sozusagen das kleine Einmaleins in Familienkunde! Es ist einfach respektlos!

Das zweite Ärgernis ist sein gewählter Ausdruck „Zukunftsforscher penetrieren“. Unglaublich, dass so eine dumpfe Sprachwahl im „Mannheimer Morgen“ zu finden ist. Der Kommentar ist für die Tonne gerade noch gut genug. Und das ist nicht meine Wortwahl im Normalfall!

Martina König-Reismann, Mannheim

Nun kann Herr Alfter sagen, dass er nur Meinungen zitiert (alter Klatschpresse-Trick), aber so, wie er sie zitiert, hat er indirekt Stellung bezogen und uns die Antwort nahegelegt. Und das unter dem Titel „Frage der Menschlichkeit“! Damit kann man sich nun trauen zu äußern, dass es nicht in Ordnung ist, dass die mittlere und jüngere Generation sich Einschränkungen unterwerfen muss, die nur für Omas gelten sollten.

Zum Glück wird die Antwort auf Seite zwei von Axel W. Bauer gegeben, der sich ernsthaft mit Ethik und Recht beschäftigt: „Es wäre absolut unzumutbar und ein Verstoß gegen mehrere Grundrechte, wenn etwa Menschen ab 60 oder 65 Jahren zu ihrem ,Schutz’ Hausarrest bekämen.“ Dass die bestehenden Einschränkungen nicht unbegrenzt lange aufrechterhalten werden können, ist unbestritten – aber nicht auf der Basis einer Hetze gegen alte Menschen, welche das krasse Gegenteil von dem bewirkt, was nun nötig ist: Solidarität. Das ist eine Frage der Menschlichkeit. Siehe „Solidarität trägt uns“ von Jagoda Marinic!

Christine Guizetti, Mannheim

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/342CcC8