Leserbrief

Wunderbare deutsche Sprache

Zum Thema Anglizismen und zum Artikel „Abzocke mit Fake- Immobilien“ vom 10. September:

Kann ich ohne Wörterbuch irgendwann keine Zeitung mehr lesen ? Ich hoffe nicht, dass es einmal soweit kommen möge. Gewisse Befürchtungen habe ich schon. Denn Berichte im „MM“ enthalten immer häufiger nicht allgemein bekannte Fremdwörter beziehungsweise Begriffe in englischer Sprache.

Da ich nur Volksschulabschluss habe und nie Englisch gelernt habe, weiß ich mit manchen Begriffen absolut nichts anzufangen. So zum Beispiel auch das Wort „Fake“ in der Überschrift des vorgenannten Artikels, was mich eigentlich zum Schreiben dieses Leserbriefs veranlasste. Auch in der Vergangenheit ärgerte ich mich immer wieder, wenn ich auf englische Wörter stieß.

Rücksicht auf Ältere nehmen

Deshalb liebe Redakteure und Reporter nehmen Sie bitte etwas Rücksicht auf uns ältere Generationen und vermeiden Sie, soweit möglich, solche Wörter, die sich auch gut in Deutsch ausdrücken lassen. Meine Familie als langjähriger Abonnent des „MM“ (70 Jahre) und viele Leser werden es Ihnen danken.

Zugegeben, es gibt schon Situationen, wo Englisch ausnahmsweise nicht ganz zu vermeiden ist. Aber überwiegend lässt sich dies auch auf Deutsch ausdrücken. Ich nehme nicht an, dass einige Redakteure/Reporter solche Wörter nur verwenden, um zu zeigen, was sie alles können. Anstelle der Überschrift „Fake-Immobilien“, hätte man auch „Betrugs-, Schummel-, falsche Immobilien oder Ähnliches verwenden können. Das hört sich doch auch gut an und wäre für alle verständlich. Wir leben ja schließlich nicht in Amerika. Oder sind wir bereits auf dem Weg, uns immer mehr von außen beeinflussen zu lassen? Ich hoffe nicht.

Warum kann eine Veranstaltung wie „Fun and Food“ nicht einfach „Spaß und Genuss“ heißen? Oder eine Aktion, die den Rhein vom Abfall beseitigt, schlicht „Rhein-Reinigen“. Auf den Bussen der RNV steht „Sorry, nicht im Dienst“. Klar, für ein „Entschuldigung“ oder „Verzeihung“ fehlt hier der Platz, aber ein „Leider nicht im Dienst“ reicht vollkommen aus. Ein „Sorry, not in service“ hat in England sicherlich einen gewissen Charme. Aber auch nur dort. Und sicher würde man hier nie ein „Verzeihung, not in service“ sehen. Ich habe mich damit auch schon an die RNV gewandt, aber „no answer – no chance“.

Unsere deutsche Sprache (hui, wie das jetzt klingt) ist wunderbar und vielfältig, manchmal schwer und auch fein und zart; genau wie Englisch und alle anderen Sprachen. Und am lebendigsten immer vor Ort. Alla donn, noch än schäne Dag (auch Deutsch).

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/2RQHYlb